Die Kabbala ist die mystische Tradition im Judentum. Die Wurzeln der Kabbala finden sich in der Tora, der Heiligen Schrift des Judentums. Neben die jahrhundertelange mündliche Weitergabe praktischer Traditionen innerhalb geschlossener Schulen stellt sich die schriftliche Überlieferung bloßen theoretischen Wissens, welches im Laufe der Zeit verschiedene weitere Einflüsse in sich aufgenommen, darunter gnostische, neuplatonische und christliche.
Geschichte des Wortes Die Bezeichnung Kabbala (hebr. קבלה) geht auf den hebräischen Wortstamm, q-b-l zurück und bedeutet „Überlieferung, Übernahme und Weiterleitung". Die Träger dieser Überlieferung werden Ba’ale Hakabbalah בעלה הקבלה oder Mekuballim מקובלים genannt, wobei in letzter Form wegen des Passivs die Bedeutung des „von Gott aufgenommenen“ mitschwingt. Bekannt ist, daß in den ältesten Zeiten das Wort Kabbala nicht in diesem Sinne gebraucht wurde. Die Träger hatten blumige Namen wie Kenner der Gnadenschönheit (יודע כן), Vernunftbegabte (משכלים) und Weise des Herzens (חכמה הלב) und das Objekt selbst war (חכמה ניסתרה) die verborgene Weisheit.
Beschreibung Wie häufiger in der Mystik geht es dabei um den bewußten und selbst gesteuerten Übergang in eine Ekstase, also einen Weg des Ich aus dem Körper. Dazu gibt es verschiedene Techniken, die sich als Geheimlehren, die studiert und erfahren werden, überliefern. Diese initiatische Erfahrung vermittelte sich anfänglich in einer zunächst rein mündlichen, später schriftlichen Überlieferung. Deshalb wird in der Kabbala auch heute die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler als wesentlich herausgestellt. Als der Judaistik-Professor und Kabbala-Historiker Gershom Scholem nach Jerusalem ausgewandert war, bot ihm ein Kabbalist aus Safed an, unter der Bedingung, keine Fragen zu stellen, sein Schüler zu sein. Scholem lehnte ab.
Kabbalistische Erfahrung kann die Grenze zwischen Subjekt und Objekt aufheben. Ein Kabbalist durchbricht die Mauer „härter als ein Diamant" und erfährt die All-Einheit. Insofern gibt es verschiedene kabbalistische Schriften und Schulen, aber keine Dogmatik oder abprüfbaren Lehrinhalt. Es gibt keine allgemeingültige kabbalistische Lehre. Aber es gibt kabbalistische Techniken. Dementsprechend ist alle schriftliche Hinterlassenschaft der Kabbalisten stark symbolisch. Das letzte Ziel der lurianischen Kabbala erschließt sich in läuternder Vorbereitung messianischer Welterlösung der Kawwanah (כוונה).
Nach jüdischer Tradition gelangten nur vier ins Paradies und allein Rabbi Akiba kehrte unversehrt zurück. Den meisten gelingen nur ein paar Tritte auf der Himmelsleiter oder das Öffnen einiger weniger Tore. Jedoch behalten alle ihre besonderen erlangten Fähigkeiten und sollen sie nach biblischer Tradition sogar vererben (Jesus Sirach, 4,16). So soll der Segen - Beracha ברכה entstehen. Um Missbrauch dieser Kräfte zu verhindern, werden Schüler vor ihrer Aufnahme geprüft. Um „Würdige" von „Unwürdigen" zu trennen, hat man die Kabbalah in eine theoretische (קבלה עיונית) und eine praktische (קבלה מעששית) unterteilt, wobei erstere das System darstellt, und letztere magische und mantische Praktiken umschreibt wie Amulettwesen, Loswerfen etc.
Eine andere Frage ist, ob es von Beginn an durchgängige, das heißt ununterbrochene örtlich verankerte Trägerkreise diverser Berachot gibt.
Kabbalistische TechnikenDie verschiedenen Methoden der hebräischen Schriftauslegung durch Mekubbalim stellen keine moderne Wortwurzelforschung dar, sondern Hermeneutik. Der Techniken dieser Hermeneutik, wie Temura, Atbasch, Albam, etc. sind zahlreich. Der Hermeneut ist an nichts, als an die Stringenz gebunden. Bei diesem Finden von Entsprechungen geht es nicht um das Finden der einen oder anderen Wahrheit, sondern es ist eine Methode, das rein kausale Denken zu überwinden. Denn nur, wem es gelingt, geprägte begriffliche Vorstellungen gedanklich aufzulösen, kann das Gefängnis des Subjektes verlassen.
Jüdische Kabbala Die ersten Träger kabbalistischer Tradition stammten aus dem rabbinischen Judentum, insbesondere aus dem Schülerkreis des Rabbi Jochanan ben Sakkai und des Rabbi Akiba ben Josef, die beide in Judäa im 1. Jahrhundert n.Chr. wirkten. Technische Inhalte dieser nicht schriftlich fixierten Tradition sind wohl im Talmud in der Sprache der biblische Schöpfungserzählung (מעשה בראשית) in Mythen über dieselbe und die Visionen des Propheten Ezechiel vom göttlichen Thronwagen (מעשה מרכבה) verpackt, überliefert. Insofern spricht man von Merkaba-Mystik. Ein Hinweis auf die Exstase, um die es geht, liefert das Wort Merkaba, welches sich vom Stamme rakav - רכב - reiten, fahren, entrücken ableitet.
Erst später erschienen auch schriftliche Dokumente. Als wesentliches Zeugnis aus dem 1. Jahrtausend gilt das Buch Jezira, das zwischen dem 3. und dem 6. Jahrhundert entstand. Es enthält die Darstellung der zehn Sefirot und der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets als den Urzahlen und Verhältnissen, auf denen die Welt beruht. Diese kommen in der Darstellung des kabbalistischen Weltenbaumes zum Ausdruck.
Im hohen Mittelalter waren die Zentren kabbalistischer Bewegungen der deutsche Chassidismus im Rheinland (Mitte des 12. bis Mitte des 13. Jahrhunderts) und vor allem die so genannte „prophetische Kabbala" in Spanien, deren bedeutendste Vertreter Abulafia und Gikatilla waren. Aus der Tradition des spanischen Judentums entstand gegen Ende des 13. Jahrhunderts die bedeutendste kabbalistische Schrift überhaupt: der Sohar (Sefer ha Sohar, hebr. „Das Buch des Glanzes"). Als sein Autor gilt der spanische Kabbalist Mosche de Leon († 1305), jedoch ist damit zu rechnen, dass fremdes und älteres Material in das Werk aufgenommen worden ist.
Der Sohar enthält in verschiedenen, teils sehr umfangreichen Abhandlungen Auslegungen der Tora, Erzählungen zu mystischen Gestalten des Judentums, insbesondere zu Rabbi Schimon ben Jochai und seinen Schülern, sowie Spekulationen zu Zahlen und Buchstaben als den Fundamenten der Welt. Der Sohar gilt wohl neben dem Tanach, der jüdischen heiligen Schrift, und dem Talmud als wichtigste Einzelschrift des Judentums.
Nach der Verfolgung und Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 wurde das Örtchen Safed in Galiläa zum Zentrum kabbalistischer Lehre. Hier wirkte vor allem Isaak Luria (1534-1572), der wesentliche Beiträge zur Auffassung von der Schöpfung der Welt entwickelte. Dazu gehören Vorstellungen von einem „Sich-Zurückziehen" Gottes, um der entstehenden Welt Platz zu schaffen (Zimzum), dem „Zerbrechen der Gefäße" bei der Schöpfung und dem Freiwerden der göttlichen Lichtfunken (Schebirath ha Kelim), Spekulationen über das Unendliche (En Sof) und eine Lehre über die Seelenwanderung (Gilgul). Ziel aller Bemühungen des Menschen ist es danach, in einem Prozess der Vervollkommnung (Tikkun) den ursprünglichen heilen Zustand der Welt aus göttlicher Existenz wieder herzustellen.
Diese Lehren werden in sehr ausführlichen Beschreibungen und äußerst detaillierten, höchst komplizierten Bildern dargelegt. Die lurianische Kabbala versteht sich dabei als eine Wissenschaft von Gott, Welt und Mensch als mystische Deutung eines menschlichen Exils und seiner Erlösung in kosmologischem Horizont.
Die in Safed entstandene Kabbala des Isaak Luria hat im Judentum erheblichen Einfluss gewonnen. Viele Elemente dieser Lehre wurden auch im osteuropäischen Chassidismus des 17. und 18. Jahrhunderts wirksam. Unter behutsamer Einbeziehung messianischer Elemente und einer gewissen Vereinfachung des ursprünglich sehr differenzierten Lehrgebäudes konnte die Kabbala große populäre Bedeutung in den chassidischen Zentren des Ostjudentums entfalten.
Kabbalistische Tradition wird auch in der Gegenwart gepflegt und weiter entwickelt, vor allem in den chassidischen Gemeinden der USA und in Israel. Als einer der bedeutenden Kabbalisten des 20. Jahrhunderts gilt Yehuda Ashlag.
Christliche Kabbala Athanasius Kircher prägte den Begriff „christliche Kabbala". Die Frage, ob es eine eigentliche christliche Kabbala im Sinn einer originären kabbalistischen Mystik mit christlichen Elementen jemals gegeben habe, kann nicht mit letzter Gewissheit beantwortet werden.
Hermetische KabbalaKabbalistische Lehren und Motive finden seit Anfang des 20. Jahrhunderts wachsende Aufmerksamkeit auch außerhalb des Judentums. Zunächst nur von Theologen und okkulten Kreisen wie der Theosophie oder dem Golden Dawn beachtet, dehnte sich die Bekanntheit der Kabbala vor allem dank der Verbreitung von New Age und moderner Esoterik weiter aus.
Die Grenzen zwischen spekulativer Kabbala (theoretische Kabbala) und Magie (praktische Kabbala) sind auch in der abendländischen Hermetik fließend. Wo Gershom Scholem noch in „Alchemie und Kabbala" Verbindungen zwischen jüdischen Kabbalisten, christlichen Kabbalisten und Alchemisten dokumentiert, verschwimmen bei den Hermetikern des 19. Jh.'s sämtliche Trennlinien. Die Hermetiker integrieren nahezu vollkommen Alchemie und Kabbala. Kabbala als Mittel der Initiation besteht auch bei ihnen. Die mündliche Weitergabe von Torakenntnissen und mystische Toradeutung (Sefer Jezirah, Sefer Bahir, Sohar) bleibt den Hermetikern weitestgehend auf der Strecke.
Schon die Kabbala des Golden Dawn verband wenig mit jüdischer Kabbala und kabbalistischer Tanach-Hermeneutik. Kabbala nach Crowleys Ordo Templi Orientis (OTO) hat Crowleys Liber AL vel Legis zur Grundlage und entfernte sich völlig von jüdischer Kabbala.
Für Kawwana - Kirche des Neuen Aeons ist die Kabbala der lurianischen Richtung eine von mehreren Quellen.
Kabbala-Popkultur Sogar Pop-Stars wie z. B. Madonna propagieren pseudokabbalistisch-esoterische Botschaften (siehe Kabbalah Centre von Philip Berg).
Von heutigen jüdischen Kabbalisten wird diese Pop-Kabbala als Verfälschung kritisiert - dies umso mehr, als die orthodoxe jüdische Tradition empfiehlt, das Studium der Kabbala nicht vor dem 40. Lebensjahr zu beginnen.
wer mehr darüber wissen möchte:
http://de.wikipedia.org/wiki/KabbalaLicht und Liebe,
Irmi