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...gelebte Spiritualität und gelebte Liebe


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Dieses Thema hat 18 Antworten
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Henry Offline

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Beiträge: 94

19.09.2006 11:16
Die Erleuchteten Antworten
Die Erleuchteten

Auf dem Weg zum Licht, zur Liebe, zu Gott, der für einen jeden von UNS anders und einzigartig ist, treffen wir immer wieder Menschen, die von sich behaupten, sie wären erleuchtet. Erleuchtung ist hier auch als Sebsternennung und Selbsmeisterung zu verstehen. Oft möchten sie eine Lehrerfunktion oder zumindest Ratgeberfunktion übernehmen. Sie sagen komme zu mir, folge meinem Beispiel, schau wie toll ich bin und was ich lebe.

Erklären tun sie ihre Erleuchtung sehr oft mit der Vergangenheit. Sie behaupten, sie hätten ihre Erleuchtung durch die Erfahrungen in vielen Inkarnationen erreicht Was habe ich schon gehört, was sie in diesen Inkarnationen alles waren. König Salomon, Jesus, Mutter Maria sind nur ein paar Namen die hier genannt wurden. Also scheint Erleuchtung ein allmählicher, zeitlicher Prozess der Evolution zu SEIN. Sie sagen folge meinem Weg, meiner Erfahrung und auch du wirst Erleuchtung erlangen.
Ich fühle, das wir uns sicher sein können, das in dem Moment wo jemand behauptet er sei erleuchtet, er gerade das nicht ist. Weil hier zeigt sich ihr EGO sehr deutlich, oder welchen Sinn sollten diese Aussagen haben. Ist es nicht das Trachten nach Bewunderung, Huldigung und Gefolgschaft. Sie erheben sich mit diesen Aussagen immer sofort über ihre Mitmenschen.
Sie sagen wenn du meinen Erfahrungen, meinem Beispiel und meinem Ratschlägen folgst, wirst auch du erleuchtet werden. Das Problem hierbei ist, es gibt kein WERDEN.

Beispiel:
Wie oft lese ich zurzeit die Aussage wir müssen Liebe werden. Das ist impliziert gleichzeitig, dass wir lieblos sind und somit erzeugen wir die Dualität von Lieblosigkeit und Liebe. Werden ist also eine Vorstellung, die wir uns machen. Wir beschreiben einen Zustand in dem wir uns befinden und die Vorstellung, was wir sein wollen. Es kommt hier zum Widerspruch.
Wenn wir diese Vorstellung nicht erschaffen, was bleibt dann im IST/SEIN – Zustand?

LIEBLOSIGKEIT

Das heißt, Lieblosigkeit ist der Zustand in dem wir uns befinden und Liebe der Nicht-Zustand. Dieses Phänomen gilt für viele andere Beispiele, wie Gewalt, Angst, Frieden usw.
Wenn ich absichtslos, das annehme, was ich bin, das heißt meine Lieblosigkeit erkenne hat sie sofort ein Ende. Ist es nicht so, das wir unser SEIN und nicht unser werden annehmen sollen?

Erleuchtung hat also nichts mit der Zeit zu tun sondern mit dem Bewusstsein im hier und jetzt. Erkennen und Erfahrung sollte immer auch eine unmittelbare Konsequenz der Handlung und der Veränderung mit sich bringen. Leider gelingt zumindest mir das noch nicht. Was ich für mich feststelle ist immer folgendes Schema: Erkennen – Pause – Pause – Handlung
In dem Bereich Pause – Pause passieren mir, dann all die gelernten Muster meiner Vergangenheit. Meine Ängste, Bedenken Erfahrungen werden abgewägt, und behindern mich bei der Annahme der Erkenntnis durch unmittelbare Handlung und damit in der Auflösung.

Was also könnte Erleuchtung sein?
Ich versuche es mal!

Ein Geist der keinen Widerspruch in sich trägt, der alles annimmt was IST, der keinen Sinn mehr für Kampf, Erfolg, Anerkennung, Bestätigung Fortschreiten und Erreichen mehr hat, dieser scheint mir erleuchtet.

Lasst uns Liebe SEIN und nicht werden! Dies ist mein Wunsch und Aufruf an alle Seelen.

Henry
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"Der Wissende redet nicht. Der Redende weiß nicht". Lao Tse

Ramesh Offline

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20.09.2006 22:23
#2 NOTAUSGANG ERLEUCHTUNG Antworten
Lieber Henry,
Hier ein Text von einem "Erleuchteten" den ich sehr schätze

"NOTAUSGANG "ERLEUCHTUNG"

Laß uns eine Illusion begraben, eine Illusion, der alle erliegen, die die "Erleuchtung" als Flucht vor dem vollkommenen Annehmen dessen, was ist, gebrauchen: Um endlich anders zu sein, vollkommener, glücklicher, befreiter, ohne all die vom Verstand als negativ bewerteten Muster. Was wäre das Ego, Du als Person, wenn es nichts mehr zu verändern gäbe? Wenn alles da sein könnte, was ist, einschließlich dem Versuch, verändern zu wollen? Was dann bleibt, ist DAS.

Das, was Ego genannt wird, ist nichts anderes, als eine Bewegung in Dir, die ablehnen, festhalten oder verändern will. Etwas verändern will, was sich auch ohne dein Zutun ständig bewegt. Und der größte Witz ist schließlich, daß die Bewegung überhaupt nicht existiert: Sie ist nur eine Idee. Es ist, als hätte Gott eine große Videothek und würde sich ohne jede Absicht bedienen aus diesen aber Millionen Videos, die auf Dir als Leinwand erscheinen. Plötzlich schiebt er dieses Video mit der Überschrift "Keiner liebt mich" oder ein anderes, uns allen bekanntes Drama ein. Und das Ego schreit zum Himmel: Lieber Gott, Du hast Dich geirrt, das war das falsche Video, ich weiß es besser, und das ist schon der nächste Video...
"Erwachen" ist vor dem Wechsel der Filme, vor dem Regisseur und vor dem Kinobesucher.
Oder, um es Advaita-gerecht auszudrücken: Das "Ego" ist lediglich ein lahmes Echo auf einen unpersönlichen totalitären Ablauf jenseits von Raum und Zeit.

In der absoluten Hoffnungslosigkeit, ohne irgendeine Absicht, doch noch mit dem Verstand einen Ausgang zu finden, findest Du DAS,
was die Quelle von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit ist.

Karim Abedi"

LOVE Ramesh


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Sri Nisargadatta

Henry Offline

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21.09.2006 08:25
#3 RE: NOTAUSGANG ERLEUCHTUNG Antworten

Hi Ramesh,

wenn du sagst, dieses sind die Worte eines "Erleuchteten", warum spricht und schreibt er sie dann?
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Ramesh Offline

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21.09.2006 12:19
#4 RE: NOTAUSGANG ERLEUCHTUNG Antworten

Ich hab den "Erleuchteten" in Klammern gesetzt
aus definitionsgründen. Er bezeichnet sich nicht als Erleuchtet,
im höchstfall redet er vom natürlichen Zustand und der ist eben nichts besonderes.
Doch letztlich das was unser Menschsein ausmacht,
und wenn man sich einen trip draus macht ist dieser natürliche Zustand
die ersehnet Erleuchtung, die eben nichts besonderes ist

Ich hab Besuch bekommen , vielleicht an anderer Stelle weiter
LOVE Ramesh
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Sri Nisargadatta

Ramesh Offline

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21.09.2006 19:08
#5 RE: NOTAUSGANG ERLEUCHTUNG Antworten

Heute Morgen was schöne von Kodo gelesen

Satori bedeutet, zu verlieren.
Illusion bedeutet zu gewinnen.

KODO SAWAKI
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Sri Nisargadatta

Henry Offline

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22.09.2006 14:32
#6 RE: NOTAUSGANG ERLEUCHTUNG Antworten
Hier ein lesenswerter Beitrag zum Thema:

http://www.connection.de/cms/content/view/1139/
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Ramesh Offline

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24.09.2006 00:12
#7 RE: NOTAUSGANG ERLEUCHTUNG Antworten

Hallo Henry,

Scheitern ist ein wesentlicher Teil des Weges.

interessante Aussage
"Wer will die Wahrheit hören?
In den vier Jahren, in denen ich lehrte, fand ich selten jemanden, der die Wahrheit hören wollte.
Viele Leute kommen zu dieser Art Satsang, weil sie gesagt bekommen wollen, dass es Abkürzungen gibt."

Ich war gestern auch zu dieser Art Satsang bei Karim
als ich kennenlernte war er noch im Erleuchtungsspace(so sag ich´s einfach mal)
was er damals mitteilte waren die alles ist gut aditüde
das hört ja fast jeder ganz gern

seit knapp einem halben Jahr ist er sich sehr am verändern
um weist die härte und radikalität solch eines Weges auf.

Sagen das er erleuchtet ist will und kann ich nicht,
er bezeichnet sich nicht so - was ich erfrischend find

denn es geht "weiter und immer weiter" wie der ZEN Meister sagt

Find die Begegnungen klar und voller Mitgefühl für die Menschen die dort sind
und voller Hingabe an DAS und vorallem gibts dort keine Abkürzungen,
weils aus dem MenschSein nicht raus geht,
da wären wir ja wieder Beim Notausgang Erleuchtung


Ohne Hoffnung. Und ohne Plan.

Om Shanti.

schöne Abschlußworte,
darauf läßt man sich ein wenn man wirklich seiner größten Sehnsucht folgt,
die totale desillusionierung.
War mir eine Freude den Text zu lesen, danke Henry


lG Ramesh
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Sri Nisargadatta

Ramesh Offline

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25.09.2006 00:07
#8 RE: NOTAUSGANG ERLEUCHTUNG Antworten
Hallo Henry, hab nun den Text Oben schon in mehreren Foren gesehen
Hier nun zum zweiten mal gelesen
den Text von Rani auch nach Monaten mal wieder gelesen.

Aber deinen "persönlichen Standpunkt" würde ich mir hier Wünschen.

Du hast gefragt war Karim als "Erleuteter" so einen Text schreibt,
weil Erleuchtung kein Objekt ist,sondern in permanenter Bewegung.
Es ist nicht der sicher Hafen für das Ich, sondern die wandelnde Tod für die Ich Idee.
Es bleibt kein Raum für Anerkennung und beschmeicheln für die Person.
Auch wenn das erscheinen kann, wird es verbrennen im ehrlichen sehen, von dem was ist.

"die Quelle von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit ist"
es ist weder positiv noch negativ, es ist wie es ist.
Ende der Abspaltung, denn das was erscheint ist einfach so wie es ist.

Die "anscheinende Erleuchtung" hat nichts heiliges an sich
und ist eben nicht der NOTAUSGANG IN EIN BESSERES LEBEN
sondern das Erkennen das das Hier Gottes Wille ist.

Würde mich über ein Satement zu Ranis Text und und deiner Haltung
zu "Den Erleuchteten" bzw. was du darunter verstehst oder als "nicht erleuchtet" ansiehst freunen.

euch alles eine gute Nacht
LOVE Ramesh



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Sri Nisargadatta

Ramesh Offline

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25.09.2006 00:12
#9 RE: Die Erleuchteten Antworten

Der Weise verweilt vor dem Wunsch
nach Bewußtheit und Erleuchtung.

Astavakra Gita
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Sri Nisargadatta

Henry Offline

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25.09.2006 07:45
#10 RE: Die Erleuchteten Antworten

Moin Ramesh,

mein persönlicher Standpunkt ist, wir sind alle hier um Erfahrungen zu machen und uns zu erinnern. Mehr Erfahrungen bedeuten mehr Be-wußtsein. Jeder muss genau das "meistern", was er vorgeburtlich abgesprochen hat. Die Schöpfung gibt sich jeweils alle Mühe, uns genau diese Erfahrungen machen zu lassen. Alle Begegnungen die wir haben, sind abgesprochen. Also auch die mit deinem Karim. Aus großer Liebe zu uns haben sich andere Seelen bereit erklärt, uns zu begegnen und Erfahrungen machen zu lassen, die wir machen wollen. Allerdings ist die Schöpfung nicht einseitig. Eine Begegnung ist immer auch das Machen von Erfahrungen für beide Seite. Also ist immer der "Schüler" auch "Meister" und umgekehrt.


In Antwort auf:
Mir wurde klar, dass ich mich nach Anleitung sehnte. Ich schaute nach links und rechts, in alten und neuen Lehren, bis ich das fand, was ich suchte: In meinem neuen Lehrer Aziz.
Seine Zen-Schläge schmerzten und waren nicht immer willkommen, aber mit der Zeit verstand ich mehr. Zum ersten Mal erhielt ich eine Landkarte der Realität, die mit mir resonierte.
Ich brauchte persönliche Begleitung von einem lebenden Lehrer. Nun hatte ich diese spezielle Lehre gefunden, die einen Widerhall in meiner Seele fand als eine Reflektion der Realität. Er führte mich in meinen Übungen und lehrte mich eine komplett neue Art von Meditation.


Sehnsucht nach "Anleitung", wie sie schreibt ist nach meinem Gefühl das Abgeben von Verantwortung. Aber auch dieses ist Erfahrung, also war es perfekt für ihren Weg der Erkenntnis und der Erfahrung.

Es gibt NICHTS zu beurteilen. Die Schöpfung ist perfekt, wie sie ist.

Dennoch kann man erkennen, das auch nur die Annahme von "Erleuchtetsein" ausschließlich eine Ausprägung des EGOs IST.

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"Der Wissende redet nicht. Der Redende weiß nicht". Lao Tse

Ramesh Offline

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25.09.2006 08:59
#11 RE: Die Erleuchteten Antworten

Hallo Henry.

"Sehnsucht nach "Anleitung", wie sie schreibt ist nach meinem Gefühl das Abgeben von Verantwortung."
Ich würde es HINGABE nennen auch dem Wunsch sicht tiefer erkennen und realisieren zu wollen
HINGABE an DAS was sich Hier in der Form zeigt als Mensch und bereits realisiert hat.
Verantwortung abgeben, natürlich möchte dieses ICH die verantwortung nicht abgeben,
es ist doch der Steuermann

"..., das auch nur die Annahme von "Erleuchtetsein" ausschließlich eine Ausprägung des EGOs IST."
Erleuchtet sein ist ein weiter Trip,
wer oder was sollte erleuchtet sein
Die Erleuchtung ist zu erkennen das da keiner ist
und niemals jemand war, kein Erwachen für irgendjemand.
Aber der Begriff "Erleuchtung" ist nun mal ein gebrauchliches Wort was etwas transportiert,
ein deutscher Lehrer verwendet das Wort desillusionierung.
Find ich etwas passender
Doch die wenigsten würden sich auf den Weg zur desillusionierung machen
alle sehenen sich nach der unendlichen Liebe Glücksseligkeit, und und und
Es gibt niemanden der erwachen oder erleuchten kann
und wenn sowas stattfindet dann im Traum.

So jetzt geh ich zum Zahnarzt,
hab seit Samsatag Nachmittag richtig aua

alles Liebe
Ramesh
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Sri Nisargadatta

Henry Offline

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25.09.2006 09:43
#12 RE: Die Erleuchteten Antworten

Erleuchtung und Bewusstsein

Wenn man es kurz und nüchtern machen will, kann man es mit einer schnellen Erläuterung abtun: Erleuchtung ist ein Bewusstseinszustand. Genauer: Erleuchtung ist ein außergewöhnlicher Bewusstseinszustand, wissenschaftlich abgekürzt 'ABZ' oder neuerdings präziser 'veränderter Wachbewusstseinszustand' oder 'VWB'.
Aber nicht jeder außergewöhnliche Bewusstseinzustand ist eine Erleuchtung.

In unserem Sprachgebrauch wird das Wort Erleuchtung oft mit einer blitzartigen, unerwarteten Erkenntnis gleichgesetzt . Diese Art von Erleuchtung ist hier nicht gemeint. Gemeint ist hier also – ich muss mich wiederholen - ein SEIN des Bewusstseins, das allerdings anders ist als unser durchschnittliches mitteleuropäisches Alltagswachbewusstsein. Auf der Ebene des Wachbewusstseins gelten die Gesetze der Logik auf anderen Bewusstseinsebenen gelten andere Gesetzmäßigkeiten.

Aus dieser kurzen Erklärung von Erleuchtung ergeben sich aber mehr Fragen als Antworten, nämlich

Was ist Bewusstsein?
Welche Zustände desselben gibt es?
Was ist Wachbewusstsein im Verhältnis zu anderen Zuständen?
Was ist verändert daran? und schließlich
Wann ist verändertes Wachbewusstsein Erleuchtung?
Gehen wir der ersten Frage nach und suchen die Antwort bei den Philosophen: Karen Gloy zieht sich in ihrem Buch Bewusstseinstheorien dadurch aus der Affäre, dass sie einen Ausspruch Augustinus zur 'Zeit' analog umformuliert:

"Wenn niemand mich fragt, was Bewusstsein sei, so weiß ich es; soll ich es aber einem Fragenden erklären, so weiß ich es nicht."
Mit Recht sagt sie, dass uns Bewusstsein das Allerselbstverständlichste von der Welt sei und doch gleichzeitig das einer theoretischen Erfassung Widerstrebendste, hierin vergleichbar mit allen anderen Fundamentalbegriffen unserer Alltagserfahrung.

Weiter führt Karen Gloy aus:

Auch Bewusstsein ist ein schlechthin universaler Begriff unseres mentalen Lebens, den wir aus diesem nicht wegdenken können, ohne es selbst aufzuheben. Gleichgültig, an welche Schichten des geistigen Lebens wir denken, ob an Gefühle und Empfindungen wie Freude, Trauer, Schmerz, ob an Wahrnehmungen, Phantasie, Bildbewusstsein oder an die Akte des Denkens und Sprechens, des Urteilens, Wünschens, Erwartens und dergleichen, stets sind sie von Bewusstsein begleitet.
Das Bewusstsein ist somit eine Voraussetzung, von der man sich nicht so distanzieren kann, dass man sie erklären könnte. Gleiches gilt auch von der Erleuchtung: Jeder 'Erleuchtete' erklärte bisher, dass das, was er in der Erleuchtung erlebte, unbeschreibbar, unaussprechlich war. Allerdings füllen dann doch Erläuterungen des Unaussprechlichen dicke Bände.

Aber was man kann ist verschiedene Entwicklungen und Aspekte von Bewusstsein aufzeigen.

Wenn wir die Entwicklung von Bewusstsein menschheitsgeschichtlich betrachten, stellen wir fest, dass zu verschiedenen Zeiten verschiedene Arten von Bewusstsein existieren. Welches das erste Bewusstsein von Menschen war, darüber kann man nicht einmal spekulieren. aber aus der Anthropologie wissen wir, dass Mitmenschen ursprünglicherer, teilweise noch heute existierender Kulturen, die Welt anders wahrnehmen und darauf reagieren. Jean Gebser hat daraus und aus etymologischen und kulturhistorischen Überlegungen geschlossen, dass die Entwicklung menschlichen Bewusstseins in Stufen erfolgte. Er nannte diese Stufen

archaisches Bewusstsein
magisches Bewusstsein
mythisches Bewusstsein
mentales Bewusstsein und
integrales Bewusstsein.
Da Gebsers Beschreibung des archaische Bewusstseins reine Spekulation darstellt, will ich es nicht weiter behandeln. Er erkennt durchaus, dass es sich hierbei nicht um eine Ebene handelt sondern eher um so etwas wie einen Punkt. Ich würde deshalb für das was er beschreibt lieber den Ausdruck 'Ursprung' verwenden. Ich will aber auch nicht verschweigen, dass das was er beschreibt durchaus eine gewisse Beziehung zu dem hat, was hier Erleuchtung genannt wird.

Das magische Bewusstsein ist dadurch gekennzeichnet, dass der Mensch beginnt die Welt vage als Objekt wahrzunehmen. Gleichzeitig weiß er sich mit ihr in Einheit und Einklang. Reste dieser Sichtweise fanden sich z.B. in den Amerikas bis zur Entdeckung durch Kolumbus, in abgelegenen und wirtschaftlich uninteressanten Gegenden noch bis in die Gegenwart. Die früheste, noch existierende Kultur dieser Stufe dürfte wohl die der Mbuti-Pygmäen sein, die noch nicht an einen Schöpfergott glauben, der Busch, in dem sie leben, ist für sie Gott. Nach Turnbull haben sie dementsprechend noch keine Priester und nur wenig Rituale. Eine - wenn auch vielleicht nicht nützliche - spätere Weiterentwicklung bei anderen Völkern innerhalb des magischen Bewusstseins war die Entdeckung der Magie, auf die ich aber hier nicht eingehen will.

Nachdem der Mensch in der Phase des magischen Bewusstseins die Welt als Objekt wahrzunehmen gelernt hat, entdeckt er in der Phase des mythischen Bewusstseins seine Psyche als Objekt. Hier ist der Mensch bereits von seiner ursprünglich erlebten Einheit so weit entfernt, dass er die Mythen als Personifikation psychischer Inhalte braucht, um auszuhalten und zu verstehen, was in ihm und um ihn vor sich geht.

Das mentalen Bewusstsein ist die Existenzform des 'westlichen' Menschen und all derer, die er vom Erfolg dieser Form überzeugt hat. Das ist also der Bereich unseres heutigen Bewusstseins. Das wichtigste Kennzeichen dieser Bewusstseinsphase ist die Abstraktion, die zu immer größeren Leistungen in allen Wissenschaften führt. Abstraktion bedeutet aber auch 'Loslösung', 'Absonderung'. Und so wie der magische Mensch noch in relativer Ungeschiedenheit von Natur lebte, so sehr hat sich der mentale Mensch von all diesem losgelöst und abgesondert.

Auf jeder dieser Ebenen gelten eigene Gesetzmäßigkeiten. Während im mentalen Bereich die Gesetze von Naturwissenschaft und Logik gelten, sind in den anderen Bereichen ganz andere Gesetzmäßigkeit wirksam.

Gebser entwirft dann noch für die Zukunft ein integrales Bewusstsein, in dem der Mensch sich seines geistiggöttlichen Ursprungs neu bewusst werden kann, dass eine nüchterne, klare Religiosität oder Spiritualität jenseits von magischer Trance, mythischem Bild, mentalem Begriff gefunden werden kann. Gebser spricht in diesem Zusammenhang vom Durchscheinenden, von der Transparenz des Göttlichen, die sich ergeben müsste, wenn die mentale Phase an ihre Grenzen stoße. In einer späteren Schrift führt er dann Shankara und Teilhard de Chardin als Zeugen für seine These an. Wo ich ihm allerdings wiederum nicht folgen mag. So wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, so machen zwei 'Erleuchtete' noch kein integrales Bewusstsein der Menschheit. Erleuchtung hat es in den allen Ausprägungen zu allen Zeiten und in allen Kulturen und allen Religionen der Menschheit gegeben und doch hat sich ein Bewusstsein entwickeln können, dass weit entfernt ist von der 'Transparenz des Göttlichen'. Individuell betrachtet hat Gebser allerdings recht: Es gab zu allen Zeiten und gibt sie auch heute, Menschen, die nach ihrer Erleuchtung 'Göttliches' durchscheinen lassen.

Auch jeder heutige Mensch durchläuft in seiner Entwicklung diese Stufen der menschheitlichen Bewusstseinsentwicklung und je nach Reifegrad oder Lebenssituation ist die eine oder andere dominanter in ihm. Schon Freud wies in Totem und Tabu, auf 'Einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neurotiker' hin.

Nachdem wir nun die menschheitsgeschichtliche Entwicklung des Bewusstseins im Schnellverfahren durchlaufen haben noch ein kurzer Blick auf individuelle Bewusstseinszustände.

Um es nicht allzu unübersichtlich zu machen, übernehme ich hier Scharfetters Grobeinteilung des individuellen Bewusstseins




Unterbewusstsein
Traum
hypnoides Bewusstsein
Mittleres Tageswachbewusstsein

das ist der Bereich in dem sich 'westliches' Bewusstsein durchschnittlich befinden sollte, wenn man nicht gerade schläft oder alkoholisiert ist
Überbewusstsein

mystische Erfahrung
Erleuchtung
meditatives Bewusstsein
Damit ist auch schon angedeutet, in welchem Bewusstseinszustand Erleuchtung sich ereignet. In einem Zustand der über dem Wachbewusstsein liegt also überwach ist, während der Traum z.B. sich im unterwachen Bereich manifestiert.

Da einige Inhalte der Erleuchtung für den Unerfahrenen merkwürdig - um es zu untertreiben - erscheinen, sei hier noch auf die Abgrenzung zur Krankheit verwiesen. Nach Dittrich sind VWB in der Regel kurze, oft nur Minuten bis Stunden dauernden Verläufe im Gegensatz zu durch Krankheiten wie Stoffwechselstörungen, hirnorganischen Störungen oder sozial aufgezwungenen Umständen (Einzelhaft, Brainwashing) Veränderungen.



Vorstufe zur Erleuchtung

Nun aber zu einem Erleuchtungserlebnis. Im Folgenden zitiere ich Franklin Merrell-Wolff ziemlich ausführlich. Wolffs Schriften über seine Erleuchtung, die 1936 stattfand, wurden bislang nur in den USA in den 30ern, 70ern und 90ern in englischer Sprache verlegt. Ferner enthält sein Bericht alle Elemente einer Erleuchtung. Und nicht zuletzt war er als Mathematiker und Philosoph in der Lage einen selbstkritischen Bericht in zeitgenössischer westlicher Sprache darüber zu verfassen. Die Textausschnitte stammen aus einer Art Tagebuch seiner Transformation, das er gleich im Anschluss an das Erlebte - teilweise noch im Erleben - schrieb. In den Jahren danach entwickelte er eine Philosophie des 'Erleuchtungsbewusstseins' oder wie er es dann sehr zutreffend nennt 'Bewusstsein-ohne-Objekt'.


"Wir sind jetzt in der Lage uns der ‘Gegenwärtigung'; zuzuwenden, die sich vor zehn Tagen ereignete. Ich verwende das Wort ‘Gegenwärtigung'; anstatt ‘Erfahrung'; aus einem ganz bestimmten Grunde. Denn es handelte sich weder um ein Wissen durch Erfahrung , welches ein Wissen durch die fünf Sinne ist, seien sie grob oder fein; noch um Wissen durch Deduktion, obwohl beide Methoden, besonders die letztere ersatzweise hilfreich waren. Es war ein Erwachen zu einer Art von Wissen, welches ich am besten als ‘Wissen durch Identität'; benenne und der Prozess - wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt von einem Prozess sprechen kann – ist eine ’Gegenwärtigung';.
Ich saß in einem Schaukelstuhl auf der Veranda und las (Paul Deussen: The System of the Vedanta). Dem Abschnitt im Buche vorauseilend, wandte ich mich dem Kapitel, das der "Befreiung" gewidmet ist zu, da ich ein starkes Verlangen danach hatte. Ich arbeitete das Material schnell durch und alles schien sehr klar und befriedigend. Dann, als ich hinterher in Gedanken bei dem gerade gelesenen Thema verweilte, kam mir die Erkenntnis, dass ein verbreiteter Fehler in der Praxis der hohen Meditation – d.h. Meditation zur ‘Befreiung'; – ist, nach einem subtilen Objekt der Erkenntnis zu suchen; in anderen Worten, etwas, das erfahren werden kann. Natürlich wusste ich schon lange theoretisch, dass die Position falsch war und doch war es mir nicht möglich gewesen sie zu ’gegenwärtigen';. (Hierin liegt eine subtile aber sehr wichtige Unterscheidung.) Sofort gab ich meine Erwartung auf, dass etwas geschehen könnte. Dann, mit offenen Augen und ohne dass ein Sinn aufhörte zu funktionieren – also keine Trance - trennte ich das subjektive Moment – das ‘ich bin'; oder ‘Atman'; Element von der Totalität des Bewusstseins vielfältiger Objekte. Darauf konzentrierte ich mich. Natürlich fand ich, was vom relativen Gesichtspunkt aus Dunkelheit und Leere ist. Aber ich gegenwärtigte Es als Absolutes Licht und Fülle und, dass ich das war. Natürlich kann ich nicht sagen, was dies Es seiner Natur nach ist. Die Formen des relativen Bewusstsein verzerren unvermeidlich das nicht-relative Bewusstsein. Nicht nur, dass ich es anderen nicht mitteilen kann, ich kann es nicht einmal mit meinem eigenen relativen Bewusstsein, Empfindungen, Gefühlen oder Gedanken erfassen. Jeder metaphysische Denker wird diese Unmöglichkeit sofort erkennen. Ich war sogar darauf gefasst, dass das persönliche Bewusstsein in keiner Form an dieser Gegenwärtigung teilhaben könnte. Aber darin wurde ich glücklicherweise enttäuscht. Alsbald spürte ich die Ambrosia-Qualität im Atem mit der reinigenden Wohltat, mit der sie die ganze Persönlichkeit überzieht sogar den physischen Körper. Ich befand mich über dem Universum, nicht in dem Sinne, dass ich meinen Körper verlassen hätte und in den Weltraum hinausbefördert worden wäre; sondern in dem Sinne, über Raum, Zeit und Kausalität zu stehen. Mein Karma schien von mir abzufallen als individuelle Verantwortlichkeit. Ich fühlte mich immateriell und wunderbar frei. Ich hielt dieses Universum und war nicht durch es gebunden. Bedürfnisse und Ambitionen verblassten in zunehmendem Maße. Alle weltliche Ehren waren ohne Macht, mich zu erheben. Physisches Leben erschien nicht wünschenswert. Wiederholt, während der Tage, die folgten, war ich in einem Zustand des tiefen Nachdenkens, folgte Gedanken, die so abstrakt waren, das es keine Konzepte gab um sie auszudrücken. Ich schien eine wahrhaftige Bibliothek des Wissens zu umfassen, alles weniger konkret als die abstrakteste Mathematik. Die Persönlichkeit verweilte in einem sanften Glühen der Glückseligkeit, aber wenn es auch sehr sanft war, so war es doch gleichzeitig so intensiv, dass daneben die ausgeprägtesten sinnlichen Freuden fade erschienen. Ähnlich wurde der Weltschmerz aufgelöst. Ich blickte über die Welt, wie sie war und fragte: ”Was ist hier von Interesse? Was ist es Wert, getan zu werden?" Ich fand nur eines von Interesse: das Verlangen, dass andere Seelen ebenfalls das gegenwärtigen sollten, was ich gegenwärtigt hatte, denn darin lag der wirksame Schlüssel zur Lösung ihrer Probleme. Die kleinen Tragödien der Menschen ließen mich unberührt. Ich sah eine große Tragödie, die Ursache aller anderen, die Unfähigkeit der Menschen, ihre eigene Göttlichkeit zu gegenwärtigen. Ich sah nur eine Lösung, die Gegenwärtigung dieser Göttlichkeit."

Franklin Merrell-Wolff (1) S. 4f. (06. August 1936)



Erleuchtung

Nun zu Wolffs zweiter 'Erfahrung' oder 'Gegenwärtigung', die ca. einen Monat später stattfand (am 09. September 1936), die er als tiefer und erhabener bezeichnet und :

"Die Hohe Gleichrangigkeit

Wie soll ich jemals beschreiben, was sich letzte Nacht ereignete?...

...

Wahrlich, innerhalb des Unendlichen gibt es Mysterien innerhalb von Mysterien, Tiefen jenseits von Tiefen, Erhabenheiten jenseits von Erhabenheiten. Gerade so wie es in der Mathematik Unendlichkeiten höherer Ordnung gibt, die niedrige Unendlichkeiten unendlich transzendieren, so ist es auch in der transzendentalen Welt. ...

...

Die Erregung meines Verstandes bedeutete nicht mehr als der Tanz der Atome in einer Stahlstange, die sich schnell in einer regelmäßigen und beständigen Form anordnen, wenn sie einem starken magnetischen Feld ausgesetzt werden. Letzte Nacht wurde ich von einem solch allumfassenden Feld erfasst. Umgeben von dieser größeren Kraft, waren die Aktivitäten des äußeren Verstandes nur kümmerlich, unbedeutend und irrelevant. Sie waren äußerst bar jeder Macht zu stören. Tatsächlich mag es wohl sein, dass der Verstand all seine Kraft brauchte in aktiver und positiver Form, um zusehen zu können während der Stufen der Vertiefung des Transzendentalen Bewusstseins. Es ist möglich, dass ich sonst nur von einer vagen Soheit berichten könnte.

Mir wurde erst klar, dass ich in einen außerordentlichen Bewusstseinszustand eingehüllt war, als ich merkte, dass ich umgeben und durchdrungen war von einer Qualität für die es kein angemessenes Wort gibt, die aber am zutreffendsten symbolisiert wird durch die Bezeichnung „Befriedigung";. Ich meine damit nicht, dass der Zustand befriedigend war. Es war Befriedigung. ...

...

Wer in diese Befriedigung eingetaucht ist braucht absolut nichts, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Die Befriedigung, die ich wahrnahm ist eine reale und wesentliche Existenz vor aller weltlichen Erfahrung. ...

...

Nur in einer gewissen Weise fand ich ein Bedürfnis, das mich aus diesem Zustand bringen konnte und das war das Verlangen anderen diese 'Erleuchtung' mitzuteilen. ...

...

Während dieser ganzen Erfahrung und des folgenden tieferen Zustandes war das Ego- oder Subjekt-Objekt-Bewusstsein aktiv gegenwärtig. Es war gegenwärtig, jedoch, als ein Zeuge am Rande, während drumherum und durch und durch ein unermesslich weiteres Bewusstsein war. ...

Durch die fortgesetzte Anwesenheit des Ego-Bewusstseins und seiner Aktivität, die Form der Gedanken zu registrieren so viel wie von diesem Zustand erfahren werden konnte, ist es möglich geworden viel von Seinem Wert in mein gewöhnliches reflektierendes Bewusstsein zu tragen. ...

...

Wie lange der Zustand der vollständigen Befriedigung dauerte, weiß ich nicht, außer dass es ein lang hingezogener Intervall im Sinne meines objektiven Bewusstsein war. Aber mit der Zeit ereignete sich ein graduelles Abschwächen, Dahinschmelzen oder Eingehülltwerden bezüglich der Befriedigung durch einen anderen, beträchtlich vollkommeneren Zustand. Der einzige Ausdruck, der diesen höheren Zustand einigermaßen symbolisiert ist der Ausdruck „Hohe Gleichrangigkeit";. Einher mit dem ging ein Gefühl von einfach ungeheuerer Autorität. Es war eine Autorität von solch gewaltiger Majestät, dass sie die Macht aller Cesaren vergleichsweise auf das Niveau von Insekten reduzierte. Cesaren mögen Kulturen und ganze Völker zerstören aber sie sind absolut machtlos im Hinblick auf die Inneren Quellen des Bewusstseins, und im Bereich jenseits des Flusses Styx sind sie so machtlos wie die meisten Menschen. Aber die Autorität der Hohen Gleichrangigkeit hat die oberste Herrschaft über all dieses, wie sie auch die Macht ist, die den Cesaren erlaubt ihre kleinen Spiele für eine Weile zu spielen. ...

...

In diesem Zustand war ich nicht eingehüllt von Befriedigung aber es gab diesbezüglich auch nicht das Gefühl, etwas verloren zu haben. Ich hatte buchstäblich keinen Bedarf an Befriedigung. ...

...

Aber der wichtige Punkt ist, dass auf dem Niveau der Hohen Gleichrangigkeit überhaupt kein Bedürfnis nach Trost oder Glückseligkeit besteht, jedenfalls nicht im Sinne aktiver Freude oder Glücksgefühle. Wenn man eine Aussage über Glückseligkeit im Zusammenhang mit der Hohen Gleichrangigkeit machen wollte, wäre sie nur insofern korrekt als Elend und Schmerz dort nicht existieren. Aber im Vergleich mit diesem Zustand ist sogar freudvoller Genuss Elend. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass wir es hier mit einem Zustand zu tun haben, der den Rahmen des durchschnittlichen menschlichen Vorstellungsvermögens sprengt. ...

...

Es ist ein seltsames, fast ‚verrücktes';, Bewusstsein, wenn man es aus der Perspektive des Alltagsbewusstseins betrachtet. Und doch, aus Seiner eigenen Perspektive betrachtet, ist Es ein Zustand, der wirklich vollendet oder adäquat ist. ...

...

Die Hohe Gleichrangigkeit ist zu verstehen im Sinne außerordentlicher Fülle, die sogar mehr ist als bloße Unendlichkeit. Um ein Bild aus der Mathematik zu entleihen, Es ist eine Unendlichkeit höherer Ordnung, die niedrigere Unendlichkeit umfasst. Was ist es, dass jemanden auf diese Ebene führt? Wie bereits gezeigt, ist es eindeutig nicht Verlangen. ...

...

Welcher Verlauf auch immer gewählt wird, Verlangen ist in einem gewissen Sinne aktiv, selbst wenn es die erhabene Spielart des Verlangens ist, die aus Mitgefühl geboren wird. ...

...

Nirvana ist höchste Befriedigung und das höchstmögliche Ziel des Verlangens, mit Ausnahme des reinen selbstlosen Verlangens, das durch Mitgefühl erweckt wird. ...

...

Mitgefühl ist das absolut letzte Wort für menschliche Güte; tatsächlich ist es sogar eine Art gottähnlicher Güte. Jenseits dessen gibt es nichts, was man sich als Mensch verlangenswert oder Wert der Entwicklung vorstellen kann. ...

...

Wer sich vom höchstmöglichen individuellen Verlangen abwenden kann, gelangt in den Strom eines Bewusstseins ganz und gar jenseits der Aktion oder Initiative von Verlangen. Der menschliche Wortschatz hat keinen Ausdruck zur Verfügung um zu beschreiben, was zur Transformation führt oder lenkt. Aber jenseits des großen Verzichts gibt es eine Kompensation, die den Menschen dorthin stellt, wo Er Gott ist, sogar über das erste Nirvana. Es stellt ihn auf eine Ebene, die genauso jenseits von Ruhe ist wie auch von Aktion; jenseits von Formlosigkeit und auch Form; und diese ist die Hohe Gleichrangigkeit. Wer auf der Ebene der Hohen Gleichrangigkeit verweilt, mag sich nach seinem Willen für Handeln oder Nichthandeln entscheiden aber er bleibt wesentlich über beidem, da beide dieser Ebene ihre Möglichkeit verdanken. Es ist eine Ganzheit über der der Befriedigung, von der aus Befriedigung als Instrument gebraucht werden kann und nicht nur letztes Ziel ist. So kann Nichthandeln mit Handeln verschmelzen und das Gleichgewicht unverändert bleiben. Aber die Hohe Gleichrangigkeit vereinigt viel mehr, denn darin verschmelzen sofort alle Qualitäten, alle Dualitäten. Es ist das Ende und der Anfang und alles dazwischen. Es ist körperlich wie auch jenseits des Körperlichen; Es ist Form genauso wie Formlosigkeit; Es überzieht und durchzieht alles, auch Zeit und Raum. Es ist das Verlangen und das erfüllte Verlangen, in diesem Moment und für alle Ewigkeit. Es transzendiert jeden Verzicht sogar den höchsten. So ist die ausgleichende Kompensation vollbracht. Hier sind Wissen und Sein sofort das gleiche. Hier ist buchstäblich äußerste Fülle jenseits jeder Vorstellungskraft.

Wie lange ich im Zustande der Hohen Gleichrangigkeit war, weiß ich nicht. Ich war lange wach in jener Nacht – weit über Mitternacht hinaus – und der Zustand vertiefte sich immer mehr. Während der ganzen Zeit blieb das relative Bewusstsein als Zeuge gegenwärtig. Die Persönlichkeit, einschließlich der körperlichen Form, schien auf einen Punkt wie Bedeutungslosigkeit zu schrumpfen. Das „Ich"; breitete sich unendlich aus wie der Raum, alle Form einhüllend und durchdringend – wie mein persönliches Bewusstsein beobachtete. Soweit meine Gedanken reichten gab es keine Grenzen. Es war absolut gleichrangig, ob mein Körper in den Zustand überging, den man gewöhnlich den Tod nennt oder weiterlebte. Beides war gleichermaßen unwichtig. Das Unglück, der Hader, die Tragödien und Probleme dieser Welt schrumpften zu einer Bedeutungslosigkeit, die amüsant war. Ich sah, dass menschliche Katastrophen, sogar die schrecklichsten, relativ unbedeutender waren als der „Sturm im Wasserglas";. Es schien kein ausreichend großes Bedürfnis zu geben, das Mitgefühl erforderte. Aber andererseits gab es auch absolut keinen Grund warum man sich nicht dafür entscheiden sollte unter und für Menschen aktiv zu sein. Vom Gesichtspunkt dieses Zustandes schien es äußerst unmöglich eine Entscheidung zu treffen, die ein Fehler wäre oder eine, die besser als eine andere wäre. Es gab keinen Grund weiterzuleben aber genauso gab es auch keinen guten Grund zu sterben. Der Zustand war vollständig über allem und zu ganzheitlich als dass irgendeine Wahl irgendeine Bedeutung gehabt hätte. Somit war ich im Subjekt-Objekt-Sinne frei zu entscheiden, wie es mir beliebte. Ich entschied mich fürs Weitermachen, aber vom Standpunkt der Hohen Gleichrangigkeit lag darin weder ein Verdienst noch eine Schuld. Denn Dort sind ‚richtig'; und ‚falsch';, genauso wie andere Dualitäten, in der Ganzheit aufgelöst. Ich bewegte mich in einer Art Raum, der mein eigener war und fand mich selbst umgeben von reiner Göttlichkeit sogar auf der körperlichen Ebene, wenn ich mich dorthin bewegte. Es gibt dort eine Art und Weise, in der Gott physische wie auch metaphysische Präsenz ist. Aber diese Präsenz ist überall und alles und zu selben Zeit auch die Negation davon. Noch einmal: weder ich noch Gott waren Dort, nur Sein. Ich löste mich auf und die Objekte des Bewusstsein lösten sich auf, sowohl im höchsten wie auch niedrigsten Sinne. Mich gab es nicht mehr und Gott gab es nicht mehr, nur die EWIGKEIT, die alle Götter und Egos hält."

Franklin Merrell-Wolff (1) S. 115 ff.



Analyse

Wolffs Berichte enthalten nun etliche Fakten, die uns helfen sollen das Phänomen Erleuchtung zu verstehen:

Er beschreibt, die Qualität des Wissens, das er erlangt 'Wissen durch Identität'. Im Alltag sieht der Wissenserwerb immer ganz anders aus. Wir haben es immer mit einer Person und dem zu erwerbenden Wissen zu tun. In der Erleuchtung sind der 'Lernende' und das 'Wissen' identisch.

Folgerichtig tritt dieser Zustand erst auf, als Wolff seine Erwartung, sein Ego könne eine 'Erfahrung' machen, aufgibt. Als er in der Kontemplation sein Ego aufgibt.

Er macht ausdrücklich darauf aufmerksam, dass sein Zustand nicht der der Trance ist.

Er betont wiederholt - wie alle 'Erleuchteten' die Unaussprechlichkeit der Erfahrung, die Unmöglichkeit das erfahrene Wissen durch Sprache auszudrücken. Was wiederum logisch ist. Denn wenn der Wissende und das Wissen identisch sind ist es nicht nur unmöglich sondern auch unnötig, beide durch Sprache zu distanzieren. Wo kein Ego eines Wissenden vorhanden ist kann das Wissen nicht einem anderen Ego vermittelt werden.

Am Rande dieser 'Erleuchtung' bleibt anfangs ein bedeutungsloses Rest-Ich bestehen, das es ermöglicht - gleichsam als Zeuge - einige Elemente der 'Erfahrung' zu berichten. Wie Wolff treffend betont wäre sonst möglicherweise nur ein vages Gefühl von etwas zurückgeblieben. Hier steckt er schon einen Bereich ab, in dem Erleuchtung sich ereignen kann: von einem vagen, nahezu unbewussten Ereignis bis zur vollen Erleuchtung, die dann später in das Alltagsbewusstsein integriert wird.

Mit seinem zweiten Bericht zeigt Wolff uns dann, dass es weitere Stufen gibt, die ihren Höhepunkt in der Identität mit allem was ist finden. Hierin finden wir z.B. eine Parallele zum Zen, in dem Ähnliches ausgesagt wird.

Ist Wolff in seiner ersten Erleuchtung noch in einem solchen Verhältnis zum Sein, dass er davon gar nicht mehr berührt werden kann, was immer es auch ist, so ist er während seiner zweiten Erleuchtung identisch mit allem (s 6.)

Aus der Alltagsperspektive betrachtet, berichtet Wolff Paradoxes: Gegensätze sind aufgehoben. 'Richtig' und 'falsch' gibt es nicht mehr, auch nicht 'Gut' und 'Böse'. 'Handeln' und 'Nichthandeln' sind eins. 'Schuld' und 'Verdienst' sind gleichwertig, 'Glück' oder 'Unglück' sind bedeutungslos. 'Leben' und 'Sterben' sind gleichrangig.

Die Erleuchtung ist in keinem Moment von Angst besetzt. Angst gibt es nicht mehr.

Wolff ist sich darüber im Klaren, dass das 'Erlebte' aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann und dass es aus der Perspektive des Alltagsbewusstsein ein wenig verrückt erscheint.

Das einzige Verlangen, das übrigbleibt, ist, das zu lehren, anderen diese 'Erfahrung' zu ermöglichen.

'Gott', 'Welt' und 'Mensch' sind identisch und doch gibt es sie auf dieser Ebene nicht. Meister Eckehart sagt rund 600 Jahre früher darüber:

"Gott selbst wird niemals nur einen Augenblick da hineinlugen und hat noch nie hineingelugt, soweit er in der Weise und 'Eigenschaft' seiner Personen existiert. Dies ist leicht einzusehen, denn dieses einige Eine ist ohne Weise und ohne Eigenheit. Und drum: Soll Gott je darein lugen, so muss es ihn all seine göttlichen Namen kosten und seine personenhafte Eigenheit; das muss er allzumal draußen lassen, soll er je darein lugen. ... Seht, so wie er eins und einfaltig ist, so kommt er in dieses Eine, dass ich da heiße ein Bürglein in der Seele....(Predigt 2).


Vergleichen wir nun Wolffs Bericht mit den Erkenntnissen des Religionsphilosophen und -psychologen Stace, der als gemeinsamen Kern aller mystischen Erfahrung folgendes herausgearbeitet hat:

Einheitsbewusstsein, das Eine, die Leere, reines Bewusstsein

nicht-räumlich, nicht-zeitlich

Gefühl der Objektivität, der Realität

Glückseligkeit, Frieden u.ä.

Gefühl des Heiligen, Geweihten, Göttlichen

paradoxe Gesetzmäßigkeiten und

Unbeschreibbarkeit der Erfahrung

so müssen wir feststellen, dass Wolffs Erleuchtung alle diese Bedingungen erfüllt. Wenn er auch das Heilige nicht ausdrücklich betont, so kommt es doch durch seine Sprache implizit zum Ausdruck.

Die Anwesenheit des Ichs als Zeuge ist nicht nötig, aber umso wertvoller als wir die Möglichkeit haben, andeutungsweise nachzuvollziehen, was das eigentlich ist - Erleuchtung:

Ein 'Wissen durch Identität' mit der EWIGKEIT, wie Wolff es nennt oder dem BÜRGLEIN Meister Eckeharts.

Und wenn wir berücksichtigen, dass wir den Wechsel vom Bewusstseinszustand des Schlafes zum Tageswachbewusstsein 'Erwachen' nennen, so ist der Wechsel vom Tageswachbewusstsein zum überwachen Bewusstsein analog ein 'Erwachen', ein Wort, das im Zusammenhang mit Erleuchtung häufig verwendet wird.

http://www.wege-zur-erleuchtung.de/erleuchtung_1.htm

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"Der Wissende redet nicht. Der Redende weiß nicht". Lao Tse

Ramesh Offline

Moderator


Beiträge: 187

25.09.2006 14:45
#13  Erleuchtung und andere Irrtümer Antworten
Lieber henry
mit diesem Text überfordert du meine Kapazität
so große Texte kann ich leider nicht im Netz lesen, sorry.

Bin aber eben über link hier link da bei Karl gelandet
Karl Renz Erleuchtung und andere Irrtümer
mir kommt es auch wie ein Irrtum vor

Dr Karl ist einfach geil
http://www.karlrenz.com/

"Was ist Bewusstsein?"Hab ich einen text reingestellt vielleicht kannst du was mit anfangen

"Wann ist verändertes Wachbewusstsein Erleuchtung?" Zu erkennen das das Hier Gottes Wille ist.
oder nach Karl " ein Stück scheiße ist mir genauso wichtig wie Gott "


Du hast von jemandem geschrieben der "seine Erleuchtung" als "normalen Zustand" über den es nix zu sagen gibt, so errinnere ich
und trotzdem Bücher damit gefüllt sind.

YO, jedermann kann Bücher mit seinem Erleben und Erfahrungen füllen, teilweise sehr interessant.
Aber kein Objekt und kein Zustand, kann Erleuchtung genannt werden
Es ist einfach DAS, so wie ES Jetzt ist.

Oh man den Text über deine Sexualität hätte ich auch gerne gelesen
aber meine Augen machen da nicht lange mit,
schade


lG Ramesh
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Ein Heiliger wünscht die Dinge
nicht anderes als sie sind

Sri Nisargadatta

Irmel ( Gast )
Beiträge:

25.09.2006 16:07
#14 RE: Erleuchtung und andere Irrtümer Antworten
nun muß ich aber schmunzeln......

In Antwort auf:
mit diesem Text überfordert du meine Kapazität
so große Texte kann ich leider nicht im Netz lesen, sorry.


wer hat das gerade geschrieben?? Ramesh??? ich fasse es nicht *grins*

Licht und Liebe,
Irmi

Ramesh Offline

Moderator


Beiträge: 187

25.09.2006 18:19
#15 RE: Erleuchtung und andere Irrtümer Antworten

Hi Irmi,
wenn ich tip muß ja nicht meine Augen groß anstrengen, grinssssssssssssss.
Da kann es schon zu längeren Texten kommen.
Aber lesen am Monitor fällt mir schwer
sorry

Ramesh
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Sri Nisargadatta

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