Es begab sich aber zu der Zeit, als Helmut Schmidt Kanzler war unserer Republik, und Hans Filbinger sein Statthalter im Lande der Schwaben, dass der Herbst heißer ward als der Sommer.
Und war viel die Rede von einem Weiler in der Residenz der schwäbischen Lande, und war der Name gar unheilverkündend und schauerlich:
Stuttgart-Stammheim
Also dass Arbor sich aufmachte zur Herbsteszeit, und mit eigenen Augen erblicken wollte die Festung, die da genutzet ward als der sicherste aller Kerker. Und gab es keinen Kerker, der sicherer gewesen wäre in Ost oder West, und in Nord oder Süd.
Oder so ward es verkündet allüberall.
Und wurde Arbor dorten gefangengenommen von den Kräften der Sicherheit, also dass er nicht vermögen sollte Böses zu führen im Schilde.
Und war doch der Baum des Waldes dorten nur spazieren gewandelt in aller Unschuld und begreiflicher Neugier, nach Art der badischen Bäume.
Und hat der Baum des Waldes überlebet solch Gefangen-Nahme, und wird euch nun künden diese Geschichte aus der neueren Zeit.
Und geschah dieses im Jahre des Herrn neunzehnhundertsiebenundsiebzig, zu der Zeit, als die Blätter begannen zu fallen auf den Feldern der Schwaben also auch in den schwarzen Wäldern des schönen Landes Baden.
So höret denn nun, was der Baum des Waldes euch kund und zu wissen zu geben möchte.
Eigentlich bin ich damals nicht extra wegen dem Hochsicherheitsgefängnis nach Stuttgart gefahren, sondern um einen Freund zu besuchen.
Das Wetter war schön, wir sind durch die Gegend gefahren, und kamen so auch nach Stuttgart-Stammheim.
Und da dieses Gefangnis gerade so berühmt war, sagte ich:
"Schauen wir es doch mal an!"
OK! Warum auch nicht? Gehen wir doch mal ins Gefängnis! Man gönnt sich ja sonst nix.
Und so spazierten wir auf das Gefängnis zu.
War ja nicht verboten ..... so sagte ich .....
Und ich könnte ja vielleicht einen alten Bekannten besuchen ....
Roland Mayer nämlich, der aus dem gleichen Städtchen stammt wie ich.
Sein Name wird selten genannt. Doch sprach der Generalbundesanwalt Rebmann damals auch von der Baader-Meinhof-Mayer-Bande, oder auch von der Haag/Mayer-Bande.
In Antwort auf:
Die Haag/Mayer-Bande
Bis Mitte 1976 rekrutierte Haag weitere Mitglieder. Der als Haag/Mayer-Bande bezeichneten Gruppe gehörten neben Haag und Roland Mayer mindestens elf Personen an. Unter anderem waren dies: Adelheid Schulz, Uwe und Knut Folkerts, Günter Sonnenberg, Sabine Schmitz, Christian Klar, Waltraud und Peter-Jürgen Boock und die durch die Lorenz-Entführung freigepresste Verena Becker. Zudem gab es nach Erkenntnissen der Ermittler etwa 25 Unterstützer. Die meisten Gruppenmitglieder hatten zwei Jahre zuvor an der Besetzung des Hamburger Büros von Amnesty International teilgenommen. Bis 1977 baute die Gruppe eine Logistik aus konspirativen Wohnungen, Waffen, Geld und Fahrzeugen auf und plante die Anschläge und Entführungen des Jahres 1977. Es kam zu mehreren Banküberfällen.
Haag wurde jedoch zuvor gefasst und Brigitte Mohnhaupt übernahm die Führung der Gruppe. Am 30. November 1976 wurde Siegfried Haag zusammen mit RAF-Mitglied Roland Mayer verhaftet. Haag trug eine durchgeladene Pistole im Hosenbund. In dem Wagen, in dem beide verhaftet wurden, fand die Polizei brisante Unterlagen. Die sogenannten Haag/Mayer-Papiere enthüllten Anschlagspläne der zweiten Generation der RAF und enthielten diverse verdeckte Hinweise auf die Planung der Entführungen von Hanns Martin Schleyer und Jürgen Ponto. Diese Hinweise wurden jedoch erst im Nachhinein entschlüsselt. Bei der Anschlagsserie im sogenannten Deutschen Herbst wurde Hanns Martin Schleyer entführt und ermordet und Jürgen Ponto erschossen.
Doch mir war klar, dass man Roland Mayer nicht so eben spontan mal hätte besuchen können, sondern nur nach einer Anmeldung lange im Voraus.
So schlugen wir einen Feldweg ein, der um das Gefängnis herum führte. Es war ein gemütlicher Weg, zwischen Wiesen und schwäbischen Obstbäumen. Eine Idylle!
Nach einer Weile kam ein Mannschaftswagen des BGS auf uns zugefahren. Langsam, eher gemütlich, so wie auch der Feldweg gemütlich war.
Ob die wohl auf einer Routine-Streifenfahrt waren?
Oder ob die am Ende gar was von uns beiden wollten?
Sie wollten.
Sie überholten uns, schnitten uns den Weg ab, und auf einmal waren wir umringt von einer Truppe BGS-Leute.
Ihre Maschinenpistolen hielten sie unmissverständlich auf uns gerichtet.
Diese Situation kannte ich ja zwar, von Nordirland her.
Aber damals hielten die britischen Soldaten in der Todeszone von Belfast ihre Waffen nur so im Vorbeigehen und wie nebenbei auf mich gerichtet.
Diesmal aber war klar:
WIR waren gemeint ....
Wir waren also umringt.
Ich frage, ob es verboten sei, hier spazieren zu gehen.
Nein, das war es nicht.
Aber wir seien verdächtig.
Und so wurden wir beide eingeladen und abtransportiert.
So fuhren wir also gemütlich in einem Kleinbus durch eine idyllische schwäbische Obstgartenlandschaft dahin.
Außen grün - und innen grün.
Bestens bewacht von einer mittelgroßen Polizeitruppe mit schussbereiten Maschinenpistolen.
Doch ich ließ mich's nicht anfechten und plauderte mit dem Einsatzleiter, so als sei es das Alltäglichste für mich, so zwischen schwerbewaffneten Polizisten eingekeilt ins Ungewisse abtransportiert zu werden.
Zufällig habe ich einen Neffen, der auch bei der Polizei ist. Und noch zufälliger war damals die Rede davon, dass er auch eine Weile in Stuttgart-Stammheim Dienst tun sollte.
Das erzählte ich so in Plauderstimmung, und fragte den Ober-Polizisten, wie denn der Dienst hier so wäre, ob er zufrieden sei mit den Arbeitsbedingungen ... und so ....
Der Einsatzleiter taute durchaus etwas auf und plauderte auch mit mir.
Einzelheiten des Dienstes dürfe er mir aber nun leider nicht mitteilen, bedauerte er.
Ich zeigte vollstes Verständnis dafür.
Ja, natürlich, diese Sachen seien natürlich hochgeheim, und das sei auch gut so, sagte ich beifällig zustimmend.
[Wer wüsste das besser als ich, der schon mal als secret undercover agent des nord-norwegischen Geheimdiensts im südlichen Südschwarzwald unterwegs gewesen war?
Doch das nur nebenbei .....]
So näherten wir uns gemütlich plaudernd unserem Ziel .....
Bitte erzähl weiter, lieber Waldbaum Arbor, du weißt doch, ich kann Geschichten mit offenem Ende nicht ausstehen!
Dani
_________________________________________________ Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. On ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux.
Das ist jetzt hoffentlich nur eine dramaturgische Pause, um die Spannung zu steigern.
--------------------------------------------------------------------------------------- Wenn man's weiss, ist alles einfach: blanchieren, panaschieren, reparieren.
Och, ist DAS gemein! UNd ich dachte, es geht JETZT weiter!
Dani
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