Ich möchte Frau sein!... aber auch Ich möchte Kind sein!
Als ich ein Kind war, wurde mir sehr früh gelehrt, was Verantwortung bedeutet. Sonntags waren die anderen Kinder am See und ich daheim, bediente die Gäste. Mit 11 kam ich von der Schule heim, kochte mir mein Essen selbst, da meine Eltern mit der Küche fertig waren und doch mal Ruhe benötigten und und und Ständig ist man unter Erwachsenen, meine einzige Freundin war meine Nachbarin, die auch heute noch meine Freundin ist. Bei anderen Kindern ausgegrenzt zu werden, da man nicht die Zeit hat wie sie schmerzte etwas und doch auch wieder nicht, man fühlte sich ja erwachsen, hatte seine Aufgaben. Tja, so kam es, dass ich mir mit 13 meinen ersten eigenen Westernsattel kaufte - von meinem eigenen erarbeiteten Geld. Kaum aus den Kinderschuhen raus, wollte ich mir selbst beweisen, dass ich für mich alleine sorgen kann. Mein Vater wollte mir damals den Dachboden ausbauen, aber nein, ich musste ja in die Stadt ziehen, wollte wissen, ob ich dies auch schaffe. Dauerte nicht lange und ich lernte meinen 1. Mann kennen. Hm, ich bleib mal nicht so in meiner Geschichte, versuche, mich jetzt kurz zu halten... Ständig war irgendeine Arbeit da... Holzschneiden, Bäume fällen, Boden verlegen und und und. Irgendwie machte ich immer die Dinge, die "normal" Männer machen. Dies war in mir so normal, dass natürlich meine Partner dies schon als selbstverständlich ansahen (gab wenige Ausnahmen), sich gar nicht die Mühe machten, mich irgendwo zu unterstützen. Jetzt? Jetzt möchte ich all das lernen, was ich vorher nicht gelernt habe. Ich möchte mich draussen raufen, um die Wette laufen, mich mit den Kindern gegenseitig am Körper bemalen... könnte die Liste ewig weiterführen... einfach alles aus einem kindlichen Blick erleben dürfen wäre hier sehr passend. Aber auch möchte ich endlich das sein, was ich auch bin. Eine Frau. Jemand, der Schwäche zeigen darf, der mal um Hilfe bittet, der sich umsorgen lässt. Was für mich sehr schön ist, ist, dass ich z.B. genau in dieser Zeit einen lieben Menschen kennenlernen durfte, der mich hier unbewusst unterstützt. Man geht einkaufen, er trägt die Einkäufe mit der Bemerkung, ich solle nicht so schwer tragen, macht sich Gedanken, wie das Holz in die Wohnung kommt, wenn er mal gerade nicht da ist... Eine Person, die ich sehr schätze und ihm sehr dankbar bin, denn ich lerne - auf sanfte Art - werde nicht bedrängt. Er weiß und versteht ohne dass dafür Worte fallen müssen. Ein Freund, der es riecht, wenn ich ihn brauche und sich ansonsten im Hintergrund hält, mich walten lässt. Ein Freund, der nicht gleich auf eine Beziehung aus ist, es respektiert, dass ich für mich alleine sein möchte (passt ja auch gerade zu meinem Thema über die Sexualität) Ein Freund, der einfach IST
Lebe die Liebe wie das Leben, so wird Dir alles gegeben ...
Ein schönes Thema, ein sehr wichtiges auch.... Ich bin jetzt Anfang 30, habe aber den Eindruck (abgesehen davon, dass ich auch jünger aussehe), dass mir schlicht und einfach ein paar Jahre meines Lebens und meiner Erinnerungen fehlen. Wohin sie sind, keine Ahnung. Auch nicht, was mir fehlt... Deswegen ist schwer nachzuvollziehen, an welcher Stelle ich ansetzen soll....Im Schatten liegt vor allem die Zeit bis 13/14 Jahre. Danach bin ich ins Internat gegangen, weit weg von zu Hause, von meiner Familie, in der ich es im Grunde genommen gut hatte, die mir aber das Wichtigste, was ich gebraucht hätte, nicht so geben konnte. Ich bin anders als alle anderen und als absolutes Sensibelchen nicht "hart genug" gewesen dafür. Jetzt bin ich reif genug zu erkennen, dass jeder nur in seinen Mustern hängt, aber als Kind...? Deshalb beobachte ich oft, dass ich mit dem Blick eines Kindes sehe und wahrnehme, vll, um aufzuarbeiten, was mir fehlte, was aber auch zur Folge hat, dass ich manchmal in der "Erwachsenenwelt" nicht recht klarkomme. Dieser Leistungsdruck und das Erfolgsstreben, wie unwichtig ist sowas für ein kleines Kind! Wie wichtig dagegen, einfach zu träumen und mal die Realität sein zu lassen! Aber das Kind, was so sehr durchwollte in den letzten Jahren, ist jetzt größer und verständiger geworden und lässt nun auch zu, dass ich Frau bin, dass ich mir dessen mehr und mehr bewusst bin, meines Wertes als Mensch (Selbstwertgefühl) und meines Wertes als Frau. Ich denk, das ist aber auch eine Erfahrung, die viele "Muttertiere" durchmachen, so in der Rolle als Mutter aufzugehen, dass sie sich selbst aus den Augen verlieren, weil sie an der Familie, am Wohlergehen der Kinder klammern. Warum? Vll, weil sie in der Kindheit nicht genügend Liebe und Zuwendung bekamen, die sie sich jetzt von ihren Kindern "zurückholen"? Klingt recht logisch.... Diese Denken, wenn die Kinder größer sind, kann ich auch wieder das und das machen... aber so vergehen die Jahre, kommen vll weitere Kinder, und am Ende stellt man fest, dass man sein eigenes Leben verpasst hat...
Nachdenkliche Grüße, Dani
_________________________________________________ Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. On ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux.
Deine Worte stimmen mich doch nachdenklich... Ich habe an mir beobachtet, dass ich bis vor kurzem mit meinen Kindern nicht so in einem Spiel vertieft sein konnte wie jetzt, nicht die Lust dazu hatte. Ich glaube, dies ist oder war so, weil ich es nicht anders kannte. Weihnachten war ein Tag mit Tränen, genauso gemeinsamer Familienurlaub, da wir es nicht gewöhnt waren, ständig zusammenzusein. Dies galt auch für die Ruhetage, an denen die Gaststätte geschlossen war. Meine Kinder sind nun zwar sehr selbständig, was auch gut ist, aber es wird Zeit, auch das Kindsein zu erfahren, gemeinsam dies zu lernen. Die Liebe gemeinsam lernen, die Kinder von mir, ich von ihnen. Dies bewusst zu erleben ist etwas sehr schönes, was mich einfach nur freut. Mehr Nähe, mehr kuscheln, das Verstehen miteinander, ineinander wird tiefer... Hm, finde gerade die Worte hierfür nicht...
Lebe die Liebe wie das Leben, so wird Dir alles gegeben ...
Annalein, genauso geht es mir auch. Ich habe mir die Kinder gewünscht, alle drei, aber, wie du, habe ich nicht gelernt zu spielen, mit einem anderen Kind wirklich zusammen zu sein, obwohl ich selbst zwei Geschwister habe. Aber ich hatte immer den Eindruck, wir leben nebeneinander, nicht miteinander. Und das ist es, was mir jetzt immer wieder auf die Füße fällt. Ich habe keinerlei Fantasie für Rollenspiele oder sowas, spiele gern mal Schach oder Karten (Skip-Bo), aber so richtig spielen, wie es Kinder nunmal machen, im Sandkasten buddeln, es ist mir einfach fremd, auch jetzt noch, wo sie schon größer sind. Ich muss es lernen, richtig lernen und mich vll auch dazu zwingen, zu spielen, ein Kind zu sein nicht nur in der Beobachterrolle, sondern auch in der aktiven Rolle. Und, was MICH vor allem nachdenklich macht, mit anderen Kindern kann ich viel besser umgehen als mit meinen, bin geduldiger, verständnisvoller, so kommt es mir vor...
Dani
P.S: Eben ging mir durch den Kopf, dass der Thread hier sooo wunderbar in dieses Forum passt: gelebte Liebe, sich selbst zu lieben, das Kind und die Frau in sich zu lieben...!
_________________________________________________ Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. On ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux.
Ich hab ja gerade Besuch, aber bevor ich das Wort wieder vergesse, möchte ich es noch schnell schreiben...
Familientradition
Was im Aussen ist, ist im Aussen, was im Innen (Familie) ist eben im Innen, wird so weitergeführt... Nenne man es Muster oder Fluch? Hm, Fluch wär auch mal ein schönes Thema ...
Hey, ich drück Dich mal ganz lieb, ja?
Lebe die Liebe wie das Leben, so wird Dir alles gegeben ...
Ja, Familientradition... Genau, es ist häufig die Familie, Eltern, Schwiegereltern, die ein bestimmtes Verhalten, Entgegenkommen, eine bestimmte Wertevermittlung von einem erwarten, und wenn man dazu konträr geht, hat man schon Schwierigkeiten vorprogrammiert. Das zieht des öfteren Kreise, man tauscht sich innerhalb des Freundeskreises, der Verwandtschaft über die eigensinnigen großen Kinder aus, weil man sich "Sorgen macht"... ja, sind wir denn nicht selbst erwachsen und berechtigt, über uns selbst zu bestimmen? Eigentlich geht dieses "Innen" außer der kleinen Familie keinen was an.... es sei denn, man bittet in einer Sache um Hilfe, aber selbst dann müssten die Außenstehenden das nötige Feingefühl besitzen, sich im richtigen Moment wieder zurückzuziehen. Dass es oft nicht so oft, zeigt uns die Realität...
Dani
_________________________________________________ Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. On ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux.
Ja, dies ist auch ein Punkt in Punkto Familientradition. Hihi, ja niemandem sagen, was in der Familie los ist etc... Aber ich dachte mit dem Wort eher an Muster, die wir von unseren Ahnen übernommen haben, da wir es evtl. gar nicht anders kennen... diese gilt es doch auch zu erkennen?
Lebe die Liebe wie das Leben, so wird Dir alles gegeben ...
Also, du meinst die Muster aus der Urspungsfamilie, gemäß den Familienaufstellungen... Zu erkennen, warum zum Beispiel jemand so streitsüchtig ist oder warum die Person Kontrolle ausüben muss über andere Familienmitglieder....ja, das ist ein sehr wichtiger Anhaltspunkt.
Dani
_________________________________________________ Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. On ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux.