Es gibt viele verschiedene Arten zu meditieren. Die Frage ist nur, für wen eignet sich welche art am besten?
Viele sehen in der Meditation die absolute leere. Nichts denken. Nichts tun. Wu wei. Ich kann aber nicht nichts denken. Daher meditiere ich mit Gedanken Bildern und Gefühlen. Manchmal schalte ich dazu leise Entspannungsmusik ein.
Wichtig ist die bewegungslosigkeit und das entspannen aller Muskeln. Deshalb ist es gut, wenn man sich zuerst auf alle Muskeln im Gesicht konzentriert, und sie nacheinander entspannt. Dann der Hals, Arme, Hände und so weiter. Bis man komplett entspannt ist. Die Reihenfolge ist glaube ich nicht wichtig.
Ich visualisiere das innere meines Körpers als dunklen Hohlraum, und gehe in die Mitte. Wenn ich dann ganz bei mir bin, konzentriere ich mich auf ein gutes Gefühl. Ich reise in Gedanken durchs All. Mit Lichtgeschwindigkeit.
Oder versuche das was um mich rum ist, zu erfühlen. Natürlich habe ich meine Augen dabei immer geschlossen. Wenn ich mein Umfeld erfühle, werde ich eins damit. Das ist schwer zu beschreiben, aber fühlt sich gigantisch an. Stellt euch vor, jemand sitzt da, und um ihn beginnt alles zu vereisen. Das wächst dann in alle richtungen. Nur das es kein Eis ist, sondern Bewusstsein. Aber damit kann man sich ein besseres Bild machen.
Ich könnte noch viel darüber schreiben, aber ich denke das genügt vorläufig. Mich würde interessieren, wie ihr meditiert. Was euch dabei hilfreich ist.
Liebe Grüsse
Shaolin Mantis
-------------------- Konfuzius: "Wer die anderen kennt ist weise, doch wer sich selbst kennt ist erleuchtet!" --------------------
Danke, Shaolin Mantis, für deine Beschreibung, wie du meditierst.
Ich meditiere mit Mandalas, Texten und Melodien, die ich selbst geschaffen habe. Dabei sitze ich auf einem Stuhl und schaue mir ein Bild an. Dazu wiederhole ich im Geiste den dazugehörigen Text. Die Texte musste ich dafür auswendig lernen. Die meisten meiner Texte haben eine Melodie. Diese singe ich im Geiste auf diese Melodie. Ich habe festgestellt, dass Bild, Text und Melodie zusammen meinen Geist so füllen, dass keine Ablenkungen mehr Platz haben.
Im allgemeinen suche ich mir morgens einige Bilder aus, die ich gerade besonders brauche, und meditiere damit. Abends spreche ich einmal alle Texte nach der Reihe im Geiste, während ich die Bilder dazu anschaue.
Im Laufe des Tages strebe ich es an (ich übe noch), immer ein Bild + Text + Melodie im Hinterkopf zu haben, wenn mein Geist nicht mit wichtigen anderen Dingen beschäftigt ist. Die Melodien (so eine Art selbstgemachte Ohrwürmer) helfen mir den Faden wiederzufinden, wenn ich ihn verloren habe.
Dabei sehe ich zu, dass jedes Bild einmal pro Tag für eine gewisse Zeit "dran" ist. Zu meinen Bildern gehören auch DIE LEERE (eine Zeit lang nichts denken, fühlen, wollen) und DIE FÜLLE (eine Zeit lang nur achtsam sein). Diese beiden fallen mir, ehrlich gesagt, am schwersten, aber sie sind unerlässlich, damit ich es überhaupt schaffen kann in Meditation zu bleiben. DIE FREIHEIT gehört auch dazu - wenn sie "dran" ist, denke ich, was ich gerade möchte.
Ein Mandala zu malen ist eine sehr intensive Form der Meditation für mich.
Herzliche Grüße Marjul
DER WANDEL Ich wandle. Ich werde. Ich komme. Ich weile. Ich gehe. Ich bin.
Dann beschreibe ich jetzt mal wie ich meditiere ...
Ich sitze immer auf dem Boden ... zwischen mir und dem Boden nur eine dicke Decke. Angeblich soll es besser sein auf einem Kissen zu sitzen, aber dann denke ich mir immer, Buddha hatte auch keines gehabt.
Momentan sitze ich im halben Lotus. Wenn ich wieder öfter sitze, dann klappt es vielleicht auch wieder mit dem ganzen Lotus. Diese Stellung liegt mir am meisten, da sich meine Wirbelsäule dadurch automatisch aufrichtet. Zusätzlich stelle ich mir manchesmal noch vor, dass sich das Ende der Wirbelsäule in die Erde verlängert und dort verwurzelt. Am anderen Ende visualisiere ich eine Schnur, die die Wirbelsäule in der Gegenrichtung stabilisiert.
Dann öffne ich leicht den Mund + lege die Zunge an den Gaumen (dann trocknet der Mund nicht aus) + konzentriere mich auf meinen Atem, atme ein und aus und versuche die Gedanken ziehen zu lassen. Absichtslos kommen sie und ich versuche sie wieder loszulassen. Das gelingt mal mehr, mal weniger. Wenn es weiniger gelingt, dann stelle ich mir manchmal ein immaginäres Pendel vor, das vor meinem geistigen Auge hin und her schwingt ... das beobachte ich dann. Ab und an zähle ich aber auch von von 21 rückwärts bis 0 und bin immer wieder überrascht, wie schnell ich mich an irgendwelche Gedanken anschließe und es erst garnicht bemerke. Es kommt aber auch vor, dass ich die Augen mal offen habe und dann stelle ich mir meinen Buddha vor mich und konzentriere mich auf ihn ... das mache ich aber eher selten.
Ja und wenn es dann gut geht, dann sitze ich eine Zeit da und freue mich, wenn es nicht irgendwo am Körper anfängt zu jucken. Manchmal fängt mein Körper an leicht zu schwingen ... dann bin ich ganz leicht und beschwingt und könnte ewig sitzen ... ganz absichtslos.
Allerdings ist mir das mit dem ewig Sitzen nicht vergönnt, weil mir spätestens nach einer halben Stunde die Beine so weh tun, dass ich diese Stellung aufgeben muß. Vielleicht würde mehr Übung helfen ... mal sehen.
Wenn es mir tatsächlich gelingt absichtslos zu bleiben und die Gedanken wirklich ziehen lassen kann, dann bin ich danach wie neu geboren. Das ist immer wieder eine unbeschreibliche Erfahrung für mich.
Ich lese gerade ein Buch über Shaolin Qi Gong. Hier ist ein interessanter kleiner Auszug davon, der zum Thema Meditation passt:
"Shaolin-Qi Gong wirkt auf drei Ebenen: anatomisch-mechanisch, als Energie-Bewegung und geistig. Körperliches Üben schult auch den Geist und fördert die spirituelle Entwicklung. Darüber hinaus ist die Stärkung des Körpers die Voraussetzung für eine spirituelle Entwicklung. Ist der Körper geläutert, kann mehr Energie fließen und die Gefahr von Schäden, etwa in den Nervenbahnen, ist geringer. Zu hohe Energieströme durch das Experimentieren mit verschiedenen Formen von Meditationen können den Körper auch nachhaltig schädigen. Durch Qi Gong wird die Energie langsam im Körper gesteigert und der Körper so vorbereitet auf größere Energieströme." Quelle: Mehr Energie durch Shaolin Qi Gong
Klingt einleuchtend
-------------------- Konfuzius: "Wer die anderen kennt ist weise, doch wer sich selbst kennt ist erleuchtet!" --------------------
Ich habe mir mal wieder das Buch von dem großen vietnamesisch-buddhistischen Zen-Meister Thich Nhat Nanh "Das Wunder der Achtsamkeit - Einführung in die Meditation" zur Hand genommen. Für die, die es interessiert, hier der link zu Wikipedia, um etwas mehr über ihn zu erfahren: http://de.wikipedia.org/wiki/Thich_Nhat_Hanh.
Da ich oben geschrieben habe, dass ich ab und an die Gedanken, die kommen, nicht immer ziehen lassen kann, hier ein Rat von Thich Nhat Hanh ...
Zitat von Thach Nhat Hanh aus "Das Wunder der Achtsamkeit" Wenn ihr Achtsamkeit übt, laßt euch nicht von der Unterscheidung zwischen Gut und Schlecht beherrschen. Dadurch erzeugt ihr nur einen inneren Kampf.
Immer wenn ein heilsamer Gedanke auftaucht, anerkennt ihn:"Ein heilsamer Gedanke ist gerade entstanden."
Wenn ein unheilsamer Gedanke entsteht, so anerkennt ihn ebenfalls:"Ein unheilsamer Gedanke ist gerade entstanden."
Haltet nicht an ihm fest und versucht nicht, ihn loszuwerden, wie sehr ihr ihn auch verabscheuen mögt. Es reicht ihn anzuerkennen.
Wenn ihr abgeschweift seid, dann müßt ihr wissen, dass ihr abgeschweift seid, und wenn ihr noch da seid, seid euch bewußt, dass ihr noch da seid. Wenn ihr ein solches Gewahrsein erreicht habt, dann habt ihr nichts mehr zu befürchten.
Mit dieser Gewissheit kann ich schon viel gelassener auf meinem Kissen sitzen ...
Gruss Tara Marie
PS: Danke Shaolin Mantis für Deinen Buchtippp ... da werde ich mal reinschauen.