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...gelebte Spiritualität und gelebte Liebe


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 Quellen der Erkenntnis
Der kleine Prinz Offline

Neuling


Beiträge: 20

01.02.2007 23:20
Buddhismus Antworten

Der Buddhismus ist eine der großen Weltreligionen, er zählt
heute ungefähr 500 Millionen Anhänger und weit mehr
Sympathisanten. Entstanden ist diese Religionsform ab dem 5.
Jh. v. C. in Indien, aus der Bewegung der Wanderasketen.
Siddharta Gautama war eine der prägenden Gestalten dieser
neuen Lebensform und Weltdeutung. Ihre Kritik richtete sich
vor allem gegen die Opferriten der Brahmanen und die
altindische Kastenordnung.
In der buddhistischen Reformbewegung gelten alle Menschen
und alle Wesen als gleichwertig. Alle Menschen, ob reich oder
arm, ob aus hohen oder niedrigen Kasten, ob Frauen oder
Männer haben die gleiche Chance, zur „Erlösung" vom
leidvollen Dasein zu gelangen. Denn alles Leben ist leidvoll.
Doch das Leiden kann vermindert werden, wenn die Gier nach
Besitz und nach Leben zurückgenommen wird. Ziel des Lebens
ist die Erlösung vom Leiden und die Beendigung des Kreislaufs
der vielen Geburten. Die innere Lebenskraft des Menschen soll
zur „Erleuchtung" und zur Ruhe kommen. Die Gläubigen
möchten so schnell wie möglich den Kreis der vielen Geburten
beenden. Dafür müssen sie eine bestimmte Lebensform
verwirklichen, sie müssen ein Leben lang nach der Erlösung
streben.
Zur Lebensform des Buddhisten gehört die Meditation, die
Sammlung der Lebenskräfte. Zu ihr gehört dann die Einübung in
den Verzicht, das Erlernen von Mitgefühl mit allen Lebewesen,
den Mitmenschen zuerst. Der Gläubige geht den „mittleren
Weg" zwischen dem übertriebenen sinnlichen Genuß und der
Verweigerung der Sinnlichkeit.
Für ihn gelten die fünf Grundgebote, nämlich kein Leben zu
töten, nicht zu lügen, nicht zu stehlen und zu rauben, keine
unerlaubten sexuellen Beziehungen zu haben, keine
berauschenden Getränke zu trinken. Doch das Grundgebot für
alle Buddhisten lautet, das Mitgefühl mit den Leidenden zu
lernen und Leiden zu verringern, wo es nur möglich ist. Die
gelebte Ethik ist entscheidend für die Erlösung, nicht die
Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kaste. Die alten
Schutzgötter werden relativiert, ja der erleuchtete Mensch kann
sogar höher steigen als in die Welt der Götter. Jeder Gläubige
soll sich am ersten Erleuchteten (Buddha) ein Vorbild nehmen,
er soll ihm nacheifern. Er muß der heiligen Lehre folgen, dann
kann er sich in der Gemeinschaft der Glaubenden geborgen
fühlen. Im Laufe der Zeit bilden sich mehrere Formen des
buddhistischen Glaubens. Zunächst gibt es den
Mönchsbuddhismus, das „Kleine Fahrzeug" zur Erlösung. Er
legt großen Wert auf Askese und Verzicht, Mönche und Nonnen
sind der Erlösung näher als die Laien. Hingegen sieht der
Laienbuddhismus, das „Große Fahrzeug" auf dem Weg zur
Erlösung, die Sinnlichkeit als ein göttliches Geschenk, das es zu
entfalten gilt. Wichtig sind das gelebte Mitgefühl und die
Barmherzigkeit. In den Zen-Buddhismus fließen Lebensformen
der japanischen Kriegerethik ein, dort gelten Abhärtung und
Willenstraining als Mittel zur Erlösung.
Im Varajana-Buddhismus, dem „Diamantenen Fahrzeug",
erkennen wir viele Elemente der alttibetischen Volksreligion,
auch hier hat Sinnlichkeit einen hohen Stellenwert. Bestimmend
für das buddhistische Leben ist der ethische Altruismus. Jeder
Gläubige soll Mitgefühl mit den Leidenden zeigen, er soll auf
der Seite der Schwachen stehen. Denn es sollen alle Lebewesen
vom Leiden erlöst werden. Die eigenen Verdienste können auf
andere Menschen und Wesen übertragen werden. Doch die
Mönche und Nonnen stehen der Erlösung näher als die Laien,
die noch öfter geboren werden müssen. Alle Gläubigen streben
nach der „Gnade" des Buddha, den sie voll Vertrauen anrufen.
Sie wollen voll Barmherzigkeit und in Friedfertigkeit leben.
Die Meditation spielt in ihrem Leben eine große Rolle, sie
wollen ihre Lebenskraft stärken. Und sie müssen sich
regelmäßig durch das Ritual und Bekenntnis von der Schuld
reinigen. Sie sprechen die heiligen Texte und den Lobpreis des
Buddha. Es geht in ihrem Leben nicht zuerst um das Genießen
der Dinge und der Güter. Es geht um das Teilen der Güter,
damit auch andere Menschen gut leben können. Wer nicht mehr
an seiner eigenen Person hängt, wird reif, in die kosmische
Leere einzugehen. In Europa und den Vereinigten Staaten
verbreitet sich seit langem der westliche Buddhismus, auch Neo-
Buddhismus genannt. Menschen der westlichen Kultur
versuchen zunehmend, auf selektive Weise buddhistische
Lebenswerte zu verwirklichen. Durch die Meditation wollen sie
ihre innere Lebenskraft stärken. Und sie ringen um Mitgefühl
mit den Leidenden, den Bedrückten, den Armen. Ihr
persönlicher Einsatz gilt einer Kultur der Versöhnung und des
Friedens. So prägt der Buddhismus eher eine friedvolle Kultur,
der gewaltlose Widerstand gegen Unterdrückung wird ein
Zielwert. Der Gläubige darf und muß sich mit angemessenen
Mitteln verteidigen, wenn er angegriffen wird. Doch er darf
nicht von sich aus Mitmenschen angreifen oder einen
Angriffskrieg beginnen. Das Menschenbild ist positiv und
optimistisch, der Mensch ist von Natur aus gut und zum Guten
fähig. Der Gläubige freut sich an Sinnlichkeit und Sexualität, er
sieht darin ein göttliches Geschenk. Doch hängt er nicht an
seiner Sinnlichkeit und seinem Besitz.
Der Buddhist übt sich im Loslassen der Dinge, er will nichts
krampfhaft festhalten, wenn er sich aus diesem Leben
verabschiedet. So übt er sich in die Kunst des Abschiednehmens
und des Sterbens ein. Er hofft auf die lichtvolle Stille, in die er
eingehen möchte. Einen Monopolanspruch auf seinen Glauben
benötigt er nicht. Für ihn gibt es viele Wege zur Erlösung und
zur Erleuchtung. So können Buddhisten tolerant mit anderen
Religionen und Überzeugungen zusammen leben. Von diesen
Grundgedanken sind die Lebensweisheiten der Buddhisten.

Euer kleine Prinz

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