Ego - die derzeitige Persönlichkeit
aus
http://www.inne-sein.de/index.htmlDas Ich existiert nicht wirklich, es ist lediglich eine Idee.
Und alle Trennung von Gott und der Welt gründet auf dieser einen Idee, die falsch ist.
Man sagt "Ich" zu diesem Körper und meint damit eine Persönlichkeit, die einem ständigen Wandel unterworfen ist. Niemand ist noch derselbe, der er vor 20 Jahren war... Erfahrungen haben ihn geprägt, er hat Ansichten losgelassen oder neu gefasst, er hat Ängste entwickelt oder verloren, vieles, vieles geschieht im Laufe eines Lebens. Die sogenannte „Persönlichkeit“ ist ein Produkt der Gedanken und Gefühle, Überzeugungen und Neigungen.
Dieses "Ich" wird heute - gerade in der westlichen Welt - mehr denn je vergöttert und überbewertet, doch es kann uns niemals wirklich glücklich machen. Wer dieses "Ich" als sein Wesen, als Wirklichkeit annimmt und sich damit identifiziert, bringt sich in Distanz zu allem anderen. Es entsteht eine Kluft und daraus resultierend die Sehnsucht zurück. Jeder Mensch sehnt sich im Grunde zurück nach der verlorenen Einheit, denn die Tendenz zu immer neue Konzepten und Meinungen sperrt ein und führt in die Irre, denn sie bringen statt Lösungen ein Verheddern in neuem Gestrüpp, das Leiden erzeugt.
Wird man sich bewusst, dass die derzeitige Persönlichkeit aus Seifenblasen besteht, die keine Substanz haben und sich ständig wandeln, uns besuchen und verlassen, so verlieren sie ihren Ernst und ihre Dramatik. Man kann durch Wachheit, durch Selbstbeobachtung und immer wieder Loslassen das Ego läutern – die egoistischen Verhaltensweisen mildern, verknöcherte Haltungen ändern, das Erwachen geschieht jedoch allein dadurch nicht. Man kann so viele Jahre der inneren Arbeit zubringen, dennoch geschieht die erlösende Erfahrung nicht.
Der Knackpunkt des Ganzen ist ja nicht, das Ego in einem heroischen Kampf oder im ständigen Kleinkrieg zu besiegen, zu zerstören oder völlig zu beseitigen – das ist eine Unmöglichkeit! Die Identifizierung mit diesem vermeintlichen Ego ist unser größtes Hindernis. Es geht um eine innere Weigerung, es weiter als wirklich anzuerkennen. Man sagt zu sich bei jedem Gedanken, der sich um dieses vermeintliche Ego dreht: das bin ich nicht. Nicht wirklich. Aber: wer bin ich dann?
Wer sich diese Fragen immer und immer wieder stellt, der kommt an einen Siedepunkt, der zum Erwachen führen kann. Und wenn dieses Erwachen geschieht – erst dann – verliert das Ego seine Macht. Ganz spontan, ganz unerwartet. Erwachen führt in eine tiefe und befreiende Entspannung von allem, das man glaubte, sein zu müssen. Dann erst erfährt man existentiell, nicht intellektuell, dass es dieses vermeintliche Ich nicht gibt und nie wirklich gegeben hat. Gleichzeitig scheint es auf, dass uns nichts vom Rest der Schöpfung trennt. Es wird bewusst, wer man eigentlich ist: ALLES. Diese Erfahrung ist nicht in Worten mitteilbar. Sie ist das Einfachste von der Welt, und doch braucht es oft viele, viele Jahre der Suche, der Verzweiflung und der Sehnsucht, um sie zu machen...
Das Symptom für die Authentizität dieser Erfahrung ist, dass die Sehnsucht erfüllt ist und die Suche ihr Ende gefunden hat. Das Ego ist nach wie vor in gewisser Weise da – man denkt auch weiterhin, doch es verläuft in Bahnen, die nicht mehr zentriert auf das vermeintliche "Ich" sind, sondern auf das große Ganze, unser wahres Selbst, das mit allem verbunden und wesenhaft göttlich ist.
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Sommer und Winter wechseln
so sind die Dinge