Was immer einen Menschen bewegt hat, das „Höhere“ zu suchen, spielt keine Rolle. Menschen werden von etwas, für immer unbekannt bleibenden, auf die Suche geschickt und – suchen.
Im Nachhinein betrachtet ist jede Suche ein Witz, eine Art Irrfahrt in Sachen Erkenntnis. Nicht, dass es nicht etwas zu finden gäbe, sondern die Tatsache, dass das, was gesucht wird, nur dann gefunden werden kann, wenn man wieder zu suchen aufgehört hat. Aber auch dieses Aufhören liegt nicht in den eigenen Händen. Etwas treibt den Suchenden voran und dieses „Etwas“ wird ihn auch zum Ziel führen.
Was also wird gesucht? Im Endeffekt „nur“ die Erkenntnis über meine eigene wahre Natur, mein wahres Wesen. Tatsächlich kann und muss ich mich nicht finden – ich bin das ja schon(!). Ich kann „nur“ untersuchen, um die Unwahrheit von der Wahrheit über mich zu verstehen und zu erkennen. Sind alle Unwahrheiten durchschaut, bleibt nur noch die Wahrheit übrig. Was immer das ist.
Die Wege zur Wahrheit sind vielfältig. Die Meinungen und Ansichten darüber auch. Die Meinung der „Unwissenden“, die sich für Wissende halten, ist vermischt mit den Meinungen der „Wissenden“. Dabei – und das hat keiner der „großen“ Weisen je anders behauptet – ist das höchste und gesuchte Wissen das reine Nicht-Wissen. Solange ich also glaube, ich wüsste etwas, werde ich immer wieder eines Besseren belehrt werden.
Reines Nicht-Wissen ist gedankenfrei. Alles, was gedacht wird, ist bereits Wissen. Und so bleibt nur eines: Vollkommen still in Gedanken sein. Die Funktion des Verstandes aber ist nunmal: Denken. Und so gestaltet sich das „still-Sein“ für nahezu alle als praktisch unmöglich. Wie kann man dem begegnen?
Eine elegante, (wenigstens scheinbar) einfache Methode, wäre zu fragen, „Was hindert mich daran, einfach still (gedankenfrei) zu sein?" Bei genauerer Überlegung und „Experimentierens“ damit, wird bald klar, dass ich nicht der Herr über die Gedanken sein kann. Sie kommen, werden durch äußere Reize angestoßen, pflanzen sich scheinbar selbstständig fort. Meditationen helfen, die Gedanken zu minimieren, aber selbst nach jahrelangem Training sind sie immer noch zahlreich da. Und kann man möglicherweise zu dem Schluss kommen, doch mal dieses „ich“ zu untersuchen, das da scheinbar denkt.Was ist das „ich“ überhaupt?
Erst mal wird wohl jeder sagen, „ja, ich bin hier, siehst du doch?“ und auf den Körper deuten. Ich bin also der Körper. Und man wird wahrscheinlich aus vollem Munde erstmal behaupten, dass „ich denke“. Nun, meine Antwort wär: „Dann denk mal! Wie machst du das?“ Je tiefer man dort eindringt, desto klarer wird werden, dass alle Gedanken mich „überfallen“, dass ich mir in Wahrheit nicht aussuchen kann, was da in mir hoch kommt. Langsam wird wohl klar werden können, dass „ich das ‚Opfer‘ dieser Gedanken zu sein scheine“. Was hätte ich wohl alles bestimmt nicht gedacht, wenn ich tatsächlich die Wahl gehabt hätte?
Je tiefer man einsteigt und es einem immer klarer wird, dass ich gar nicht „Der Herr im Haus“ bin, dass ich von etwas gelebt werde, das ich wiederum auch nicht wirklich kenne - mag ich es Gott oder das Unbekannte nennen –, desto weniger kann ich mich als ein Wesen betrachten, das nach eigenem Willen handeln könnte. Klar will ich nach meinem Willen handeln. Aber was mein Wille ist, bestimmen die Gedanken und die sind nicht wirklich von mir gewählt. Sie kommen und gehen, wie sie wollen und die Entscheidungen, die ich glaube zu treffen, sind in Wahrheit völlig selbstständige Auswertungen meiner Erinnerung. Und die habe ich mir nun auch wiederum nicht freiwillig ausgewählt!
Wer also lebt mich? Mich, diese Person. Man wird niemanden finden, und doch werde ich gelebt!
Und so wird man sich wohl früher oder später die Frage stellen müssen, „wer ich wirklich bin?“ Ein selbst entscheidendes Wesen, das dann doch fremdbestimmt gelebt wird, das kann ich doch wohl nicht sein! Und so muss sich früher oder später das vermeintlich so wichtige „ich“ (als Person, als „ich bin der Körper“) in Wohlgefallen auflösen.
Das ist einer der wichtigsten, vielleicht sogar der wichtigste Punkt der Suche überhaupt:
Das Ego (die Idee, eine Person zu sein), löst sich dann auf, wenn erkannt wird, dass es ein Ego gar nicht gibt und nie gegeben hat!
Das bisherige Weltbild wird dabei zusammenbrechen, da nirgendwo auf der Welt ein eigenständig handelndes Wesen angenommen oder gefunden werden kann. Alle werden „nur“ gelebt!!!
Aber ich bin doch! Wer bin ich dann? Das ist die Frage, die ab dem Zeitpunkt an Bedeutung gewinnt und den Suchenden fast in den Wahnsinn treiben kann. Denn er wird niemanden finden und keine Antwort im Verstand erhalten. Selbst wenn er an einen Gott glaubt, wird dem Suchenden klar, dass der Bibelspruch „Du sollst dir kein Bildnis machen ... „ oder „Selig sind die, die arm im Geiste ...“ und andere, nichts anderes sagen, als das Gott nicht „gedacht“ werden kann. Nicht gedacht = nicht vorhanden. Leere, Stille, niemand zuhause!
Aber das Ich-Gefühl, das Ich-Bewusstsein wird weiterhin vorhanden sein. Es lässt sich nicht abstellen (es stellt sich zeitweise selbst ab, wir nennen es Tiefschlaf). Was jetzt?
Die Lösung ist „einfach“! Untersuchen wir das Wort „ich“ in seiner ursprünglichen Bedeutung, so kommen wir über „Ego“ zu "eg(h)om", zum ältesten gefunden Begriff: "Hierheit"!
Ich, der ich eine Person glaubte zu sein, ein von anderen getrenntes Wesen,und selbst handeln könnend, bin in Wahrheit nichts anders, als die „bewusste Anwesenheit“, diese „Hierheit“!
Ich kann noch nicht einmal sagen: „ich wäre hier“, das ja „ich“ bereits Hierheit bedeutet. Und so ergibt sich zwangsläufig folgender logischer Zusammenhang:
Ich bin = Hierheit ist!
Völlig unpersönlich, nicht handelnd, nicht denkend! DieWelt und auch das Denken wird weiterhin wahrgenommen, aber die Hierheit ist somit alles und denkt nicht selbst. Das Denken mag den/die Körper und den Verstand betreffen, „ich“, was ich wirklich bin und immer war („Hierheit“ nämlich) ist „nur“ die Beobachtung des Ganzen. Wenn das voll und ganz auf nicht-gedachte Weise erfasst worden ist, kehrt in meinem Inneren ganz von selbst die ewige „Stille“ ein, ich erkenne, das ich diese „Stille“ bin.
Alles, was mich davon abhält, das „spielend“ oder dauerhaft zu erreichen, ist mein eigener (Rest-)Irrglaube, ich wäre immer noch ein „ich“, eine Person und andere wären demnach auch Personen. Dann scheine „ich“ wieder zu denken und Wissen steigt auf. Ich bin in wieder in die Unwahrheit gefallen (d.h, das kleine „ich“ ist wieder auferstanden), anstatt in der totalen Unwissenheit – und damit mit der gesuchten Wahrheit – zu verweilen. _____________________________________ Sommer und Winter wechseln so sind die Dinge