an allen möglichen Stellen und in Durchsagen wird immer wieder gesagt wir sollen im "Hier und Jetzt" leben und SEIN. Was bedeutet dies für uns? Wie geht das? Was ist dazu nötig? Gibt es dafür Techniken? Woran merke ich, das ich im Hier und Jetzt bin oder nicht?
Dies sind nur ein paar Fragen, die ich gerne diskutieren möchte. Laßt uns einfach mal beginnen. ________________________________________________ "Der Wissende redet nicht. Der Redende weiß nicht". Lao Tse
Frage: Ich habe so viel zu tun. Ich kann mir einfach nicht leisten meinen Verstand still zu halten.
Maharaj: Und das ist so, weil Sie sich für den Handelnden halten. In Wirklichkeit geschehen Ihnen die Dinge, Sie führen sie nicht aus.
Frage: Wenn ich die Dinge einfach geschehen lasse, wie kann ich mir dann sicher sein, dass sie auch so geschehen, wie ich das will? Ich muss sie doch gewiss meinen Wünschen entsprechend ausrichten.
Maharaj: Ihre Wünsche geschehen für Sie zusammen mit ihrer Erfüllung oder Nicht-Erfüllung, Sie können beide nicht verändern. Sie mögen davon überzeugt sein, dass Sie sie selbst ausführen, dafür kämpfen und sich abmühen. Aber auch das geschieht lediglich, ebenso wie die Ergebnisse des Handelns. Nichts passiert durch sie oder für Sie. Es ist alles in dem Bild, das auf der Leinwand erscheint und nicht im Licht. Auch die Person, die Sie glauben zu sein, ist in dem Bild. Sie sind nur das Licht.
Frage: Wenn ich nur das Licht bin, wie kommt es, dass ich es vergessen habe?
Maharaj: Sie haben es nicht vergessen. Es ist das Bild auf der Leinwand, das Sie vergessen und sich dann wieder daran erinnern. Sie hören niemals auf ein Mann zu sein, nur weil Sie träumen, ein Tiger zu sein. In diesem Sinne sind Sie das reine Licht, das in Form eines Bildes auf der Leinwand erscheint, und auch, dass Sie eins damit werden.
Frage: Wenn doch alles einfach geschieht, warum sollte ich mir dann Sorgen machen?
Maharaj: Genau, Freiheit bedeutet die Freiheit von den Sorgen. Wenn Sie erkannt haben, dass Sie die Ergebnisse nicht beeinflussen können, dann sollten Sie Ihren Wünschen und Ängsten keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Lassen Sie sie kommen und gehen. Nähren Sie sie nicht durch Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit.
Frage: Wenn ich meine Aufmerksamkeit von den Ereignissen abwende, wie soll ich dann meine Leben gestalten?
Maharaj: Das ist das Gleiche wie die Frage: Was soll ich machen, wenn ich aufhöre zu träumen?“ Halten Sie an und schauen Sie. Sie brauchen sich keine Gedanken darüber zu machen: „Was nun?“ es geht immer weiter. Das Leben beginnt nicht und endet nicht: Das Licht kann sich nicht erschöpfen, selbst wenn damit zahllose Bilder projiziert werden. Genauso erfüllt das Leben jede Form bis zum Rand und kehrt wieder zur Quelle zurück, wenn sich die Form auflöst.
Frage: Wenn das Leben so wundervoll ist, wie konnte dann diese Unwissenheit entstehen.
Maharaj: Sie wollen die Krankheit heilen ohne die Patienten gesehen zu haben! Warum untersuchen Sie nicht zuerst, wer es ist, der unwissend ist, bevor sie Fragen über die Unwissenheit stellen?
Wenn Sie behaupten, dass Sie unwissend sind, dann wissen Sie nicht, dass sie dem eigentlichen Zustand Ihrer Gedanken und Gefühle das Konzept der Unwissenheit übergestülpt haben. Untersuchen Sie sie, so wie sie auftaucht, richten Sie Ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit darauf, und sie werden feststellen, dass es so etwas wie Unwissenheit gar nicht gibt, nur Unaufmerksamkeit. Richten sie Ihre Aufmerksamkeit auf das, was sie beunruhigt, das ist alles. Schließlich sind Sorgen mentale Schmerzen, und Schmerzen sind unweigerlich der Ruf nach Aufmerksamkeit. Sobald Sie aufmerksam sind, verstummt der Ruf, und die Frage nach Unwissenheit löst sich auf. Anstatt eine Antwort auf Ihre Frage zu warten, finden Sie heraus, wer die Frage stellt und was sie ihn stellen lässt. Recht bald werden sie feststellen, dass es der Verstand ist, der von Angst und Leid getrieben die Frage stellt. Die Angst beinhaltet Erinnerungen und Erwartungen, Vergangenheit und Zukunft. Die Aufmerksamkeit bringt sie zurück zur Gegenwart, zum jetzt, und die Gegenwart im jetzt ist ein Zustand, der immer vorhanden ist, doch selten wahrgenommen wird.
Auszug aus dem 3. Teil von Nisargadatta Maharaj „Ich bin“ Kamphausen Verlag _____________________________________ Sommer und Winter wechseln so sind die Dinge