“Am südlichen Himmelsende steht der allerschönste Saal, leuchtender als die Sonne; er heißt Gimle (der vor Feuer geschützte Ort). Er wird noch stehen, wenn Himmel und Erde beide vergangen sind - und diese Stätte bewohnen gute und rechtschaffende Menschen in alle Ewigkeit. So heißt es in der Völuspa:
Ich weiß einen Saal, schöner als die Sonne, besser als Gold, zu Gimle stehen; dort werden die Scharen der Treuen wohnen und immerwährende Wonne genießen.
Da fragte Gangleri: Was schützt denn diese Stätte, wenn Surts Flamme Himmel und Erde verbrennt?
Hoch antwortete: Man berichtet, es gäbe einen zweiten Himmel, südlich und oberhalb unseres Himmels, und dieser Himmel heißt Andlang (der Atem-weite). Aber es gebe sogar noch einen dritten Himmel, über diesem, und der heißt Widblain (der Weit-Blaue) und in diesem Himmel, denken wir, sei Gimle gelegen. Aber nur die Lichtalben wohnen jetzt wohl dort oben.“ (Gylfaginnig 17)
Mag jemand mit diskutieren, wie diese „Oberwelten“ spirituell verstehbar sein können, oder in Bezug zu anderen Überlieferungen stehen?
------------------------------------------------------------------------------------------ Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen
Hmm, ich kann natürlich nur von meiner Sicht sprechen, ob es nun wirklich - für andere - auf diese Weise spirituell verständlich ist, kann ich leider nicht sagen.
Da ich oftmals Parallelen suche, verstehe ich es folgendermassen: Viele die die Erfahrung gemacht haben dessen, was gemeinhin als "Erleuchtung" verstanden wird (dabei möchte ich vorsichtig mit diesem Wort sein), kennen es als eine Erfahrung, die sozusagen über einem 'definierten Himmel' (Paradies?) zu verstehen wäre. Diese Wahrnehmung, dieses Bewusstsein ist allerdings nicht mit unserem menschlichen 'Willen' anzustreben, da wir es damit definieren, verfärben, und somit nicht erkennen könnten.
Allerdings kommt es bei Menschen, durch welchen Grund auch immer, zu einem Bewusstseinssprung, und die Erkenntnis ist klar für sie, auch wenn es in Worte nicht zu fassen ist. Persönlich würde ich es mit dieser Erfahrung gleichstellen
Sehe ich so ähnlich, wobei die Stufenfolge von „durch Feuer zerstörbar“ - „vor Feuer geschützt“ - „so weit wie der Atem“ - „blau und klar wie Himmel“ auch sehr interessant ist. Kannst du mit dieser Stufenfolge etwas anfangen?
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Ich kann wiederum nur aus Parallelen schöpfen. Auf meinem Blog gibt es meine Theorie von Bewusstseinsebenen, die ich durch Erfahrung sowie Überlegung betreffend verschiedenen Theorien zusammengesetzt habe...
Ich würde die Stufenfolge folgendermassen verstehen: - durch Feuer zerstörbar: die weltliche Ebene, die der Mensch als materiell betrachtet. Dabei würde Feuer in meinen Augen nicht nur für das 'reale' Feuer stehen sondern auch für das Feuer in uns, unsere Energie, die sich zerstörerisch auswirkt. - vor Feuer geschützt: wäre dann eine spirituellere Ebene. Wer in jener Wahrnehmungsebene ist, erkennt nicht nur, dass er seine Energien anders einsetzen kann, sondern ist genau durch diese andere Wahrnehmung auch vor diesen Aspekten geschützt - So weit wie der Atem: diese Ebenen, die ich mit "Twilight" erklären würde, die uns die Möglichkeit gibt, zwischen den beiden 'Hauptebenen' zu wandern, da dort oft Atemtechniken eingesetzt werden, wäre der Ausdruck also für mich schlüssig - blau und klar wie der Himmel: ich finde besonders das Wort "wie" sehr wichtig. Viele erwarten, dass der 'Himmel' eben halt oben sei, aber alles, was man so wahrnimmt, ist wie jener Himmel, auch hier.
Ja - klingt schlüssig. Allerdings habe ich jetzt noch mal über den text nachgedacht und da ist einerseits die vom Feuer bedrohte - und im Ragnarök auch zerstörte - Welt, also genauer Mitgard, die Welt des Menschen und auf der anderen Seite Gimle in der weiten blauen Welt. Die andere Seinsebene könnte auch dazwischen liegen und der Atem als Rhythmusbewegung wäre dafür geeignet. So sind es also dann zwei Pole, das zerstörbare und das unzerstörbare und dazwischne der ausgeleichende (Feuer)Atem. Man ist wohl sehr schnell geneigt, bei Himmel an ein „oben“ zu denken, da hast du Recht, und wenn diese Ausrichtung wegfällt, dann kann dieer Text durchaus ein Bild zeigen, das der vedischen Denkweise entspricht: Brahma (Gimle und die Lichtalben), sein Atem (Atem-weite) und der wahrnehmbare Kosmos (Mitgard), welcher beim Einatmen wieder vergeht (Ragnarök)
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