„Ihre Tochter sehe ich nie mal mit hier draußen spielen! Sie ist wohl unsichtbar?“ hörte ich einmal eine Nachbarin zu meiner Mutter sagten.
Dabei war ich doch so oft wie möglich draußen. Aber, und das wurde mir in diesem Moment mit meinen 8 oder 9 Jahren bewußt, ich spielte tatsächlich gern anderswo mit Gleichaltrigen. Ein gutes Gefühl, wenn nicht vom Fenster aus jemand sah, was ich gerade tat.
Dabei tat ich nichts besonderes, nichts anderes als die anderen. Aber von diesem Tag an begann ich, meine Unsichtbarkeit zu kultivieren. Wann und wo auch immer sich Gelegenheit bot, schlüpfte ich durch Gebüsche, pirschte mich hinter Hecken an, flitzte ich durch ruhige Nebenstraßen geduckt hinter parkenden Autos her. Zu meinen Spielgründen, wo ich nicht allein blieb und mir doch ein Stück Freiheit um die Nase wehte.
Hier und heute, wenn ich von meinem heimischen Arbeitsplatz in die Runde schaue, flutet das Tageslicht in meine Wohnung, aber kein fremdes Fenster beobachtet mich in gleicher Höhe. Weicher Teppichboden dämpft meinen Tritt auf Unhörbarkeit. Telefongespräche nehme ich nur an, wenn ich die Telefonnummer kenne. Außerhalb der Dienstzeit: unsichtbar, unhörbar, unerreichbar. Wie vom Erdboden verschluckt.
Ich bin keine Einzelgängerin. Meine beruflichen Kontakte allein sind schon der halbe Erfolg meiner Arbeit. Ich liebe dies ausgelassenen Stunden mit meinen Freundinnen. Und wenns kein Kollege oder Berufskontakt ist, mag ich auch mal ´nen Mann.
Aber ich mag nicht drüber reden, so daß meine Freundinnen glauben, ich hätte nix mit Männern. Hab ich aber manchmal doch. Ach nee, nicht spontan nach einer Party oder so.
Wenn ich z. B. nach Werkenntdasschon fahre, am Freitagabend, bin ich fort und nicht erreichbar.
Zu Hause noch ein Kontrollblick auf den Terminkalender. Meine Gesprächsunterlagen für das Meeting, Paß, Laptop, die Klamotten im Köfferchen, alles ok. Morgen FRA - ORD.
Ach ja, Spiritualität (Doppelpunkt) Yoga. Meditation. Meine Quelle der Kraft, mein Weg der Erkenntnis.
schön, dass du für uns sichtbar geworden bist! Fühl dich wohl hier!
Dani Sternenlicht
_________________________________________________ Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. On ne voit bien qu'avec le coeur. L'essentiel est invisible pour les yeux.